Das Buchregal

Zwar sind mir Bücher ganz egal.
Doch lobe ich mein Buchregal.
Zufällig konnte ich entdecken:
ein Buchregal dient vielen Zwecken.
Es stützte meine Zimmerdecke
in der verstaubten Zimmerecke,
die fast auf mich herniederkrachte,
weil Monsieur Töff ne Party machte,
zu der sehr viele Gäste kamen
und sich nicht gerade gut benahmen.
Sie trampelten wild über mir,
tanzten die Nacht bis gegen Vier
und endeten zu guter Letzt
betrunken und ganz leicht verletzt,
nachdem der Tanzboden zerbrach
und jedermann darüber sprach,
dass nur mein Buchregal sie stützte
und darum endlich etwas nützte.

Ein Gedicht ist brilliant

Ein Gedicht ist brilliant,
aber völlig unbekannt.
Unbekannt ist auch der Dichter.
"Leider! Ja, so ist es!" spricht er.
Aber trotzdem bleibt er heiter
und schreibt unverdrossen weiter.

Ein Paket liegt vor der Tür

Ein Paket liegt vor der Tür,
eingewickelt in Papier.
Als ich es ins Zimmer trage,
stellt sich mir die bange Frage,
ob hier gleich etwas passiert
und das Päckchen explodiert.
Ob ein Selbstmordattentäter,
zuerst mutig, aber später,
als der Mut ihn doch verließ,
mir das Päckchen hinterließ?
Lauschend lege ich die Ohren
auf das Päckchen. Kein Rumoren
und kein Ticken ist vernehmbar.
Nur die Zeit wird deutlich dehnbar.
Stunden werden aus Sekunden.
Ich such zitternd zu erkunden,
was sich innendrin befindet
und ob etwas davon kündet.
So les ich mit Interesse
auf dem Päckchen die Adresse.
Ganz eindeutig ist es meine.
Warnhinweise gibt es keine.
Konsultier nun mein Gewissen.
Dann das Päckchen aufgerissen.
In den Händen, wie ich seh,
nun die Video-CD
mit schon lang von mir vermissten
Krimis voller Terroristen,
die ich immer gerne seh,
kurz bevor ich schlafen geh.


   

Ketchup fließt wie rotes Blut


Ketchup fließt wie rotes Blut
und tut meinem Bauch nicht gut.
Habe ich zuviel gegessen,
kann ich diese Nacht vergessen,
wälze dick mich und her,
und mit Schlaf geht gar nichts mehr.
Hätte ich Salat gemacht,
wäre ich ganz frisch erwacht.
Achtet darum auf die Speise,
die ihr abends zu euch nehmt.
Seid besonnen und wählt weise
was auf dem Menüplan steht.

 

Ein Gedicht wird ausgebrütet

Ein Gedicht wird ausgebrütet.
Warm in einem Nest behütet,
wurde es zuerst erfunden
und danach in vielen Stunden,
kreativ und schweißgepeinigt,
ausgepellt und dann gereinigt.
Doch der Dichter merkt erstaunt:
Jemand hat es ausposaunt!
Weil er es erst grob skizzierte
und es sich deshalb genierte,
hat sich das Gedicht versteckt.
Doch es wurde ausgeheckt.
Jemand hat es abgeschrieben
und schien es zunächst zu lieben,
fühlte sich jedoch geblendet
und hat sich dann abgewendet.
Ganz allein auf weiter Flur,
fühlte es sich einsam. Nur
hat es dort für sich entdeckt,
was noch alles in ihm steckt.
Von Erwartungen befreit,
ist es nun dazu bereit,
seine Freiheit zu genießen
und beginnt entzückt zu sprießen.

Die Welt ist so voll mit Geräuschen

Die Welt ist so voll von dem Rauschen
der Dinge. Wenn wir ihnen lauschen,
erzählen die Klänge uns ihre Geschichten,
von denen wir auf diesen Seiten berichten.
Das nächtliche Rattern geölter Maschinen
in Zimmern mit flatternden Baumwollgardinen,
wo Arbeiterinnen auf Holzstühlen sitzen,
um für uns're neueste Mode zu schwitzen,
steht beispielhaft dafür (wenn ich mich nicht täusche):
die Welt spricht zu uns durch die Art der Geräusche.

Klagende Landschaften in meinen Träumen

Aus den Landschaften in meinen Träumen
ist das Bersten von sterbenden Bäumen
und das Flüstern von Geistern zu hören,
die sich über die Menschheit empören.
Diese Nacht ist so voll von Geräuschen,
die uns unüberhörbar enttäuschen.
Selbst der Klang einer fallenden Feder
wird zum Knall eines Tritt's gegen Leder.
Eine Kokosnuss knallt auf Asphalt.
Kalte Milch plätschert aus einem Spalt
und zerfließt hoffnungslos in dem Sand,
der sich unter den Steinen befand.
Zwischen Nussschalen liegen die Leichen.
"Sie können ihr Ziel nicht erreichen!"
schreiben Hände auf welkende Blätter.
"Diese Not generiert keinen Retter!"
Was hatte die Menschheit gewollt?
Warum suchte sie Silber und Gold?
Statt Tomaten, Salat und Kartoffeln
beißt man nun in bestickte Pantoffeln.
Sich an quellfrischem Wasser zu laben,
wich dem Durst, Diamanten zu haben.
Statt sich froh in den Armen zu liegen,
wollte jedermann jeden bekriegen.
Wer versucht, diese Welt zu besiegen,
wird ihr selbst ganz zum Schluß unterliegen.