Hamlets Vision

Hamlets Vision
*
Sein oder Nichtsein, 
das ist hier die Frage.
Wem nützt es, wenn ich 
mich noch weiter plage?
Gibt es noch einen, 
dem ich etwas schulde,
für den ich tapfer 
Not und Pein erdulde?

Kann ich mich wappnen 
gegen tausend Plagen?
Oder soll ich dem 
schnöden Fleisch entsagen,
und jedes Herzweh, 
all das Leid beenden?
Es liegt allein bei mir, 
in meinen Händen.

Denn wer erträgt die 
wahrhaft schweren Zeiten,
könnte er seinem Leid 
ein End' bereiten
mit einem Messer 
oder einer Nadel?
Schön wäre das, doch 
es ist nicht von Adel.

Der tiefste Wunsch - 
zu schlafen und zu sterben.
Doch grämt mich sehr: 
was denken meine Erben?
All mein Besitz und 
alle meine Schätze
wären dahin, wenn ich 
mich selbst verletze.

Das Geld auf allen 
Konten bei den Banken.
Sie würden sich um 
meinen Nachlass zanken.
Wie kehrt das Leben plötzlich 
in mich selbst zurück!
Es gibt wohl doch noch 
eine Aussicht auf das Glück.

Ich springe hoch 
und über meine Betten,
um mich und mein 
Vermögen noch zu retten.
Man sieht mich fröhlich 
zu den Banken laufen.
Ein Stück vom Leben will 
ich doch noch kaufen. 

Veröffentlicht in Philosopoesie.