Scherenschnitt
*
Ein Gedicht, scharf
ausgeschnitten
aus geschöpftem,
feinem Bütten-
papier,
das mir
ein wirklich guter
Freund geschenkt,
freut sich, dass es
am Fenster hängt.
Es sieht aus wie
ein Scherenschnitt,
in dem ein Freund
den and'ren tritt.
Dabei war es
nicht so gemeint,
wie es auf dem
Papier erscheint.
Wer sich im Scherz
am Freund versündigt,
dem wird die Freundschaft
bald gekündigt.
Kunst darf gewiss
nicht alles machen,
damit die Leser
schallend lachen.
Darum seid achtsam,
wenn ihr dichtet,
damit ihr niemanden
vernichtet,
im Glauben, Scherzen
sei erlaubt.
Denn schneller, als ihr
es jetzt glaubt,
lebt, was in diese
Welt gegeben,
auch ungewollt:
ein Eigenleben.
Vielleicht gäbe es
dies Gedicht
deshalb womöglich
besser nicht.
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