Ein Sonett

Sonette zu schreiben scheint mir nicht sehr schwer,
darum schreibe ich ein Sonett hier am Meer.
Am glitzernden Wasser kommt mir die Idee:
Ich dichte das Wasser zu eiskaltem Schnee.

Schon schimmern die Silben: gleich elf an der Zahl.
Doch mir wird jetzt kalt und ich greife zum Schal.
Doch dabei entgleitet das rhythmische Maß.
Ein Eisblock entsteht, wo ich grade noch saß.

Nah bei meinem Herzen 
such' ich nun die Terzen.

Die Eisblumenzeilen: sie brechen entzwei.
Den Schneeflockentropfen entweicht ein Geschrei:
Wieso ist es so spät im Frühling noch kalt?

Wir hätten gern Urlaub im himmlischen Wald.
Uns bleibt keine Wahl, als im Licht zu erbleichen,
um heimlich und leise von dannen zu schleichen.

Veröffentlicht in Blitzlinge.