Einsamkeit

Einsamkeit
*
Die Einsamkeit 
breitet sich aus.
Kein Mensch geht mehr 
aus seinem Haus.
Aus Bildschirmen 
besteht die Welt,
die uns wie 
im Gefängnis hält.
Kein Lächeln mehr. 
Kein froher Blick.
Es ist nicht nur 
ein Missgeschick,
das uns durch 
diese Technik droht.
Der Mensch vereinsamt 
und verroht.
Die Pandemie 
ist längst global,
erreicht die Berge 
und das Tal
und kriecht hinein 
in jeden Geist,
der diese Sucht 
nicht von sich weist.

Das Fluginsekt hat eingecheckt

Das Fluginsekt 
hat eingecheckt
*
Ein widerliches 
Fluginsekt 
schwirrt nachts 
durch meine Zimmer.
Es sucht nach mir 
und meinem Blut
und findet mich 
fast immer.
Ich habe mich 
im Bett versteckt.
Im Kühlschrank hat 
es mich entdeckt.

Hinter dem 
Duschvorhang verborgen
mach ich mir 
abends immer Sorgen,
dass es mich findet 
und dann sticht,
denn darauf ist 
es ja erpicht.

Von weitem hör ich 
schon sein Summen
und muss in meiner 
Not verstummen.
Ich press die Hand 
auf mein Gesicht
und hoff', das Biest 
sieht mich dann nicht.

Lied der Vampire

Lied der Vampire
*
Wir, die wir 
die Sonne scheuen 
und uns an der 
Nacht erfreuen, 
an dem Mond, 
der Sterne Licht, 
meiden jedes 
Tageslicht. 
Denn man würde 
uns erkennen, 
uns sogar beim 
Namen nennen, 
den Kontakt mit 
uns vermeiden. 
Wir müssten 
darunter leiden, 
dass für uns kein 
Blut mehr fließt 
und sein Fehlen 
uns verdrießt. 
Darum bleiben 
wir im Dunkeln, 
um in Heimlichkeit 
zu munkeln.
*

Das Gedicht erzählt 
aus der Perspektive 
einer Gruppe von Vampiren, 
die sich vor dem Tageslicht 
und vor der Entdeckung 
durch die Menschen fürchten. 
Hinter der fantastischen Gestalt 
verbirgt sich ein Gedanke, 
der über das Vampirmotiv hinausgeht: 
Wer von der Gesellschaft 
ausgeschlossen wird, 
versucht möglicherweise, 
seine Identität zu verbergen, 
um zu überleben.

Halloween

Halloween
*
HALLOWEEN - Die Kerzen brennen.
Kinder, die durch Gassen rennen,
gruseln sich und sind verkleidet.
Ach, wie sie der Mond beneidet.

Kobolde und Hexen schleichen
um Skelette und die Leichen,
die aus ihren Gräbern steigen,
um sich frech der Welt zu zeigen.

Frankenstein und Dracula
sind mit Geisterbräuten da.
Man hört Klopfen. Fenster klirren.
Hilfeschreie. Ein Verirren.

Wimmern. Klageruf. Ein Schrei.
Endlich ist der Spuk vorbei.

Ganz erschöpft in ihren Betten
liegt die Geisterhorde. Wetten?

Kunstverständnis

Kunstverständnis
*
Mit Zwiebelschalen
Bilder malen
führte bei mir zu
großen Qualen.
Die Zwiebeln brannten
in den Augen,
sodass die Bilder
nicht viel taugen.
Ich hab' sie
mit den Zwiebelschalen
im Mixer kurz
und klein gemahlen.
Den Brei hab' 
ich verschmiert
und ausgiebig 
studiert.
Jetzt denke ich: 
"Mein lieber Specht,
die Kunst von mir 
ist gar nicht schlecht!"

Kulinarisches Rezept

Kulinarisches 
Rezept
*
Erst muss man die 
Zwiebeln schälen,
dann die breite 
Pfanne wählen.
Darin werden 
sie gebraten,
bis sie gelb 
und süß geraten.
In den Topf gleich 
rechts daneben
muss man nun 
die Nudeln geben,
wenn das Wasser 
brodelnd kocht.
Gar nur werden 
sie gemocht.
Weiter wird 
dazu geraten,
nun das Hackfleisch 
anzubraten,
bis es durch 
und durch gegart.
Auch mit Salz 
wird nicht gespart.
Ketchup und 
Tomaten rein.
Schmackhaft wird 
die Speise sein.
Auf Spaghetti 
Bolognese
kommt danach 
noch etwas Käse.
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zu probieren,
solltest du mich 
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weil nur dann 
der Rubel rollt
für mein 
Influencer-Gold.

Mut zum Aufbruch

Mut zum Aufbruch 
 *
Sein Leben wird von 
Traditionen geprägt, 
die man ihm bereits 
in die Wiege gelegt. 
Von Alltagsroutinen 
gelenkt wie auf Schienen 
verliefen die Pfade. 
Nie fand er das schade. 
Gewohnheiten halfen ihm, 
angstfrei zu leben. 
Sie schützten ihn 
vor unerwarteten Beben, 
die er so umgangen. 
Kein Ziel, kein Verlangen 
hat ihn aus dem täglichen 
Gleichschritt gebracht.
Der Alltagstrott hat 
ihn so schläfrig gemacht. 
Nun wächst in ihm plötzlich 
zu seinem Erstaunen 
ein Flüstern zuerst, 
dann ein murmelndes Raunen, 
das wie ein Magnet wirkt 
und so an ihm zieht, 
dass er sich bald 
aufmacht in fremdes Gebiet
mit verlockenden Räumen. 
Erst nur in den Träumen
erkennt er, was er 
durch Gewohnheit vermeidet
und unter der Schicht 
der Gewohnheiten leidet.
Deswegen stieg er 
aus dem Hamsterrad aus
und wagte sich mutig 
ins Leben hinaus.

Die Leinwand

Selbstzweifel 
* 
Die Farben sind 
schon angerührt.
Der Pinsel wird 
gekonnt geführt.
Was ihre 
Phantasie erfand,
wird dadurch 
aufs Papier gebannt.
Sie malt das, was 
ihr Geist erschuf.
"Wird diese 
Sehnsucht mein Beruf?"
fragt sie sich und 
dann zweifelt sie.
Sie denkt: "Das schaff' 
ich sicher nie!"
Durch ihre Hand 
entstehen Bilder.
Auf denen tanzt 
ein grauer, wilder,
in Stoff gehüllter 
Terrafant
mal auf dem Bein, 
mal auf der Hand.
Einmalig schillert 
ihr Projekt.
Dumm ist nur, dass 
sie es versteckt.
Sie fürchtet: "Man 
wird mich verspotten."
Wird ihre Kunst 
deshalb verrotten?
Ein Freund sieht das 
grandiose Bildnis 
mit Terrafant 
in rauer Wildnis 
und sagte: "Ich stell 
es für dich aus!" 
Nun lobt man sie 
landein, landaus 
und feiert sie 
als Künstlerin 
mit Fantasie 
und Eigensinn. 
Woran sie nicht 
im Traum gedacht, 
wurde durch Freundschaft 
wahr gemacht,
die ihre Zweifel 
ausgeräumt.
Wirklichkeit wird, 
was sie erträumt.

Die Angst vor der Angst

Die Angst vor der Angst
*
Die Abkürzung führt 
durch den Wald. 
Er fürchtet sich 
und ihm ist kalt. 
Doch außen drumherum 
zu geh'n 
dauert zu lang. 
So bleibt er steh'n. 
Er ringt mit 
ängstlichen Gedanken 
und seine Absicht 
scheint zu schwanken.
Doch dann gibt er 
sich einen Stoß, 
entschließt sich 
und läuft mutig los. 
Ein Schemen huscht 
am Baum vorbei. 
Der Mond scheint matt, 
der Weg ist frei. 
Ein Uhu schreit. 
Ein Zweiglein knackt. 
Steht dort ein 
Schatten, unbefrackt? 
Sein Atem stockt, 
er zuckt und schluckt. 
Er schwitzt. Als 
er genauer guckt, 
steht dort nur ein 
verformter Strauch 
mit flatterhaftem 
Blätterbauch. 
Die Furcht malt gern 
mit leichter Hand 
Gespenster aus 
dem Bilderland, 
das sich im eignen 
Geist befindet 
und uns an unsre 
Ängste bindet.

 

Die Angst vor der Brücke

Die Angst vor der Brücke 
*
Die Brücke schwankt im leichten Wind. 
Lianen, die verknotet sind, 
versprechen Sicherheit und Halt. 
Dem Wanderer wird heiß und kalt, 
denn manche Brücke stürzte ein 
und er will nicht der nächste sein, 
der in die wilden Fluten stürzt 
und seine Lebenszeit verkürzt. 
Doch wenn er diesen Schritt nicht wagt, 
ängstlich verzweifelt und versagt, 
erreicht er das gesetzte Ziel, 
das anzustreben ihm gefiel, 
auf keinen Fall. Dann wird beklagt,
dass er die Schritte nicht gewagt. 
Wird er die Furcht mutig besiegen? 
Ein Schritt - 
schon steht er auf den Stiegen 
der Brücke, die hinüber führt. 
Ein Fuß der zögernd Holz berührt. 
Dann strafft er sich 
und geht entschlossen 
hinüber auf den schmalen Sprossen. 
Plötzlich ein Stolpern. Er erbleicht. 
Doch bald hat er sein Ziel erreicht. 
Auf seine Furcht zurückzuschauen, 
stärkt ihn und weckt sein Selbstvertrauen. 
Wer sich mutig den Ängsten stellt, 
 geht seinen Weg durch diese Welt.