Atembank

Atembank
*
Der turmhohe 
Schornstein
speit Wolken:
paff, paff.
Sein Gas 
sinkt herab,
bodenschwer.

Ein Mensch 
irrt umher
zwischen Gift 
und Gestank.
Die Gasmaske 
hindert so sehr.

"Ach, wär’ 
ich doch",
denkt er,
"ein 
schwerreicher 
Mann,
dann dürfte ich
Sauerstoff tanken
an einer der
Atembanken."

Gutes Tröpfchen

Gutes Tröpfchen
*
Ein Gedicht, einsam 
und schüchtern,
bleibt deswegen 
selten nüchtern.
Hat es Alkohol 
im Blut,
spürt es, dass 
sich etwas tut,
fühlt sich plötzlich 
stark und groß,
glaubt, man 
findet es famos.
Hat es erst mal 
schwer geladen,
muss es in 
Champagner baden
und - hat es dann 
einen sitzen -
kommt's vor lauter 
Durst ins Schwitzen.
Ist es völlig 
hackendicht,
kennt es seine 
Grenzen nicht,
jedes Tröpfchen 
wird gesoffen,
denn es ist 
für Schnäpse offen.
Voll wie eine 
Strandhaubitze,
lacht es über 
schlechte Witze.
Trinken wird 
sein Trösterchen.
Tassen hoch - und 
"Prösterchen!".
All die starken 
Leberkleister
finden in ihm 
ihren Meister,
denn es trinkt und 
trinkt und trinkt,
bis es platt zu 
Boden sinkt.

Hinter den Schleier geblickt

 

Hinter den 
Schleier geblickt
*
Durch's Auge des kühlen 
Verstandes betrachtet
erscheint uns das Leben 
oft sinnlos und leer.
Erblickt man die Welt 
durch ein Herz voller Liebe,
bedeutet sie aber 
unendlich viel mehr.
Am Anfang des Lebens 
aufs Ende zu schauen,
macht mutlos und ängstlich, 
erfüllt uns mit Grauen.
Wer trotzdem wagt, 
eigene Wege zu gehen,
spürt Leben, statt nur 
auf das Ende zu sehen.
Das Leben - es endet 
ja nicht mit dem Tod.
Stets weiter zu leben 
sei unser Gebot.
Im Tod werden wir uns 
im Kosmos entfalten, 
um dort einen Blick 
auf die Welt zu erhalten,
der unseren Geist 
von Verwirrung befreit 
und Klarheit ermöglicht 
im Laufe der Zeit. 

Komplexe Zahlen

Komplexe Zahlen
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"Jetzt mal eben 
auf die Schnelle:
Welche Zahlen 
sind reelle?"
"Viele!" sagst du 
ganz natürlich.
"Ist das wahr?" 
Denn sowas spür ich.
"Auch die 
rationalen ganzen,
die mir auf 
der Nase tanzen
und sogar 
irrationale, 
die ich an 
die Tafel male?"
"Ja!" sagst du. 
"Ohne zu hexen,
zeig' ich dir 
jetzt die komplexen!
Denn komplexe 
Zahlen leben
fast nicht sichtbar 
trotzdem neben
der reellen 
Zahlenmenge!"
Das treibt mich 
jetzt in die Enge,
denn sie sind 
mir nie begegnet.
Wer's versteht, 
der sei gesegnet!

Irrationale Zahlen

Irrationale 
Zahlen
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Natürliche und 
ganze Zahlen
kann man als Bruch 
mit 1 aufmalen,
oder auch schreiben 
auf Papier
und im Computer, 
so wie hier.
Deshalb nennt man 
sie rational.
Lässt sie sich nicht 
als Bruch notieren,
wird sie den 
Status ℚ verlieren
und dann 
irrational genannt.
Geheimnisvoll sind 
sie bekannt
als π (Pi) und e. 
Als √ aus...
sehen sie wie 
ein Wunder aus,
das unsre schöne 
Welt beschreibt,
als Formel, die 
auch übrigbleibt,
wenn unsre Welt 
zugrunde geht,
auch wenn das 
niemand ganz versteht.

 

Rationale Zahlen

Rationale Zahlen
*
Natürliche Zahlen 
sind ℕ.
Ganz einfach, weil 
ich sie ja kenn'.
Die ganzen Zahlen 
sind ℤ. 
Sie machen den 
Kohl richtig fett.
Da natürliche Zahlen 
nur positiv sind,
kommen ganze dazu, 
die auch negativ sind.
Die Rationalen 
erkennt man am ℚ.
Die Bruchzahlen zählen 
natürlich dazu.
Alles was man als Bruch 
auf Papier schreiben kann,
erfüllt die Bedingung, 
ist rational dann.
So erweitert sich diese 
Gesellschaft der Zahlen,
wird größer - wir können 
schon jetzt damit prahlen.

Ganze Zahlen

Ganze Zahlen
*
Ganze Zahlen 
offenbaren,
ob wir brav und 
sparsam waren.
Sie entstanden 
durch die Schulden,
die die Gläubiger 
erdulden.
Bisher blieben 
wir im Plus,
weil es sich 
so rechnen muss,
wo die Zahl 
"natürlich" ist
(was ihr sicherlich 
noch wisst).
"Minus" weitet 
nun gekonnt
uns'ren 
Zahlen-Horizont.
So geraten 
wir in Not
durch das 
Rückzahlungsgebot.

 

Natürliche Zahlen

Natürliche Zahlen
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Wir zählen die Dinge, 
damit wir sie haben
und uns an dem Haben 
ganz vorzüglich laben.
Wir zählen die Äpfel, 
die Eier, die Schuhe,
verlieren dabei die 
Geduld und die Ruhe,
denn was man auch wählt,
wird erst mal gezählt.

"Womit zählt man?" 
kann sich nun 
der Suchende fragen
und ich will ihm ganz 
ohne Umschweife sagen:
Das Zählen von Dingen
kann uns nur gelingen
durch einfache Zahlen,
mit denen wir malen,
was immer wir in dieser 
Welt auch begehren,
wobei wir uns nicht um 
die Nachbarschaft scheren.

Natürliche Zahlen
bereiten uns Qualen,
weil man immer mehr will,
als man gerade hat.
Wie viel man auch kriegt,
man wird einfach nicht satt.
Man zählt mit den Zahlen. 
Der Nachbar hat mehr.
Wo krieg ich soviel wie 
die Nachbarschaft her?

So beuten "Natürliche 
Zahlen" uns aus.
Sie sehen am Ende 
zufriedener aus
als alle die Menschen, 
die mit ihnen zählen
und sich jeden Tag mit 
Berechnungen quälen.

Prima Primzahl

Prima 
Primzahl
*
Als Einsiedler 
sind sie bekannt.
Die Zahlen, die 
man so erkannt,
dass sie sich schlicht 
nicht teilen ließen.
Den Mathemuffel 
wird's verdrießen.
Doch wer die Kraft 
der Zahlen liebt,
ist hocherfreut, 
dass es sie gibt.

Primzahlen heißen 
diese Tollen,
die sich nicht teilen 
lassen wollen,
die ungeteilt 
durchs Leben eilen
und sich nur durch 
sich selber teilen,
beziehungsweise 
teilen lassen.

Durch sich und eins - 
Ja, kaum zu fassen
ist die unglaubliche 
Magie.
Bricht man die 
Primzahl übers Knie?
Auf keinen Fall! 
Sie bleibt sich treu
und ungeteilt 
allein und scheu.

Zahlenphilosophie

Zahlenphilosophie
*
Auch Zahlen sind 
Persönlichkeiten,
die ordnend durch 
das Leben schreiten.
Und ganz egal, 
welche man wählt:
es wird auf jeden 
Fall gezählt,
addiert, geteilt, 
multipliziert,
denn diese Welt 
ist kompliziert.

Die Macht der 
Zahlen ist enorm,
reicht weiter als 
die Alltagsnorm,
an der wir uns 
gern orientieren.
Das Glück der Zahl 
zu akzeptieren,
zu nutzen, um den 
Geist zu weiten -
Darauf will ich 
mich vorbereiten,
indem ich 
einige erwähle
und euch von ihrer 
Kraft erzähle.