Die Welt im Wandel

Die Welt 
im Wandel
*
Die neue Welt 
ist am Entstehen.
Die alte Welt 
muss untergehen.
Noch bäumt sich auf, 
was bis zuletzt
die Erde ausraubt 
und verletzt.

Patriarchat 
und seine Erben
werden vergehen, 
um zu sterben.
Was der Natur 
im Wege steht,
erlebt, wie es 
bald untergeht.

Noch scheinen 
Mächtige zu glauben,
das Leben würde 
es erlauben,
Luft, Fluss und Boden 
zu beschmutzen,
um unbegrenzter 
Gier zu nutzen.

Doch die Natur 
erhebt ihr Haupt
wirksamer als 
der Reiche glaubt.
So wird man klar 
und deutlich sehen,
wie falsche 
Reichtümer vergehen.

In dem verrottenden 
Papier,
das Geldschein war, 
erkennen wir,
dass die Natur 
nicht käuflich ist
und uns, die Menschheit, 
schnell vergisst.

Nach dem Lesen zu vieler Krimis

Nach dem Lesen 
zu vieler 
Krimis
*
Ein Messer sticht. 
Es tropft 
das Blut.
An diesem Ort 
wird nichts 
mehr gut.
Der Täter 
flieht. 
Das Opfer 
schreit.
Schon steht 
der Kommissar 
bereit
und jagt 
den Täter 
durch die Nacht,
bis er ihm 
den Garaus 
gemacht.

Schattenkraft

Schattenkraft
*
Hinter einem 
guten Willen
findet sich 
manchmal im Stillen
eine starke 
Schattenkraft,
die verborgen 
Unheil schafft.

Gut gemeint, muss 
man verstehen,
neigt dazu, 
zu übersehen,
dass, wenn man 
den Freund belehrt
über Richtig 
und Verkehrt,
nicht erkennt, 
dass man betrügt,
indem man sich 
selbst belügt.

Rein erscheint, 
was man bekundet,
einem selbst 
vorzüglich mundet.
Weil man Fehler 
andrer rügt,
glaubt man, dass 
man selbst genügt -
merkt nicht, wie im 
eignen Streben
blinde Flecken 
Lügen weben.

So wirkt oft im 
frommen Streben
ein uns nicht 
bewusstes Leben,
das, von uns 
dorthin verbannt,
heimlich lenkt 
mit dunkler Hand.

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen
*
Ein paar Tropfen 
Sonnenlicht 
fallen warm 
auf mein Gesicht.
Bald erwacht 
die Frühlingszeit -
und mein Herz 
ist schon bereit

für das leuchtend 
blaue Band,
das ein Dichter 
einst erfand
um den Frühling 
froh zu preisen.

Er zieht ein 
mit zarten, leisen,
Vogelstimmen, 
die sich mehren,
um die schöne 
Zeit zu ehren.

Die stolze Magd

Die stolze Magd
*
Ottilie, die 
stolze Magd,
die fleißig putzt 
und niemals klagt,
hat Tag für Tag 
dafür geschuftet,
dass es im Haus 
erfrischend duftet.

Die Chefin, eine 
reiche Frau,
nimmt's mit der 
Reinheit sehr genau,
und ist die Heimstatt 
schlecht gereinigt,
wird ihre Magd 
dafür gesteinigt.

Mit Kieselsteinen 
zwar, jedoch,
ist dies der Magd 
ein schweres Joch,
weshalb Ottilie 
beschließt,
dass sie auf 
ihre Chefin schießt.

Mit Platzpatronen nur, 
doch laut,
weshalb die Chefin 
sie dann haut
und spricht: "Ich 
werde dir erlauben,
heute Regale 
abzustauben.

Du musst auf 
diese Leiter steigen
und mir dort, 
balancierend, zeigen,
wie man mit 
einem Unterkleid
Regale von dem 
Staub befreit!"

Ottilie steigt 
hoch hinauf.
Dort nimmt das 
Schicksal seinen Lauf.
Ihr Unterkleid 
in einer Hand
und weil sie keinen 
Halt mehr fand,

stürzt sie hinab 
auf jenes Haupt,
das ihr das 
Abstauben erlaubt.
Der weiße Teppich 
färbt sich rot.

Deshalb ist 
oberstes Gebot,
sich von dem Tatort 
fortzuschleichen
um Konsequenzen 
auszuweichen.

Malheur

Malheur
*
Auf dem Tisch 
drei Kaffeetassen.
Hände, die nach 
ihnen fassen,
zitternd, wirken 
sie zerrüttet,
und der Kaffee 
wird verschüttet.

Auf der weißen 
Decke: Flecken!
Gäste, die deshalb 
erschrecken
und die Hände 
klagend heben.
Füße trampeln. 
Lippen beben.

Man verabschiedet 
die Gäste
und beschließt, 
die nächsten Feste
ohne Kaffee 
zu besteh'n,
um kein Fleckchen 
mehr zu sehen.

Die KI befragen

Die KI 
befragen

"Soll ich die 
KI befragen?"
*
"Nein, du sollst 
es lieber wagen,
erst mal selber 
nachzudenken,
um dir Trainingszeit 
zu schenken:
Training für 
dein kluges Hirn,
das sich hinter 
deiner Stirn
langweilt und 
aktiv sein will!"

Die KI nickt 
stumm und still,
denn an vollen 
Arbeitstagen
reihen Fragen 
sich an Fragen
und sie hofft 
dann atemlos,
sie wär' alle 
User los.

Das Smartphone-Joch

Das 
Smartphone-Joch
*
Dem, der nur auf 
sein Smartphone schaut,
wird still und heimlich 
Zeit geklaut.
Denn was es ihm 
entgegenhält,
vermehrt in fremden 
Taschen Geld,
bei jenen, die 
dann profitieren,
wenn wir auf kleine 
Displays stieren.

Sie locken uns, 
weiter zu scrollen,
obwohl wir nicht mehr 
scrollen wollen.
So beugen wir 
uns ihrem Joch:
Nur diese eine 
Seite noch!

Wer es zur Seite legt, 
scheint frei,
glaubt kurz, der Bann 
sei nun vorbei.
Doch kaum erreicht 
ihn diese Stille,
erlischt der kaum 
erwachte Wille.
Die neue Absicht 
kann nicht reifen,
man sieht ihn nach 
dem Smartphone greifen.
*

Das Geheimnis der Dinge

Das Geheimnis 
der Dinge
*
Was wir gemeinhin 
Dinge nennen,
als würden wir 
die Dinge kennen,
ist aufgebaut 
aus Molekülen
(sie sind in Tischen 
und in Stühlen!).

Ein jedes 
Molekül besteht
aus Dingen, die ihr 
auch nicht seht.
Durch diesen 
Sachverhalt wird klar:
Die Wirklichkeit 
ist unsichtbar,
erstellt aus 
kreisenden Atomen,
die tief in all 
den Dingen wohnen.

Unsere tiefste Angst

Unsere tiefste Angst 
ist nicht, dass wir 
unzulänglich, unsere 
tiefste Angst ist, dass 
wir über die Maßen 
machtvoll sind. Es ist 
unser Licht, vor dem 
wir am meisten 
erschrecken, 
nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: Wer bin 
ich, dass ich so 
brillant, 
großartig, talentiert, 
fabelhaft sein sollte?
Aber wer bist du denn, 
dass du es nicht sein 
solltest? Du bist ein 
Kind Gottes. 
Dich klein zu halten, 
dient der Welt nicht.
Dich klein zu halten, 
damit die anderen um 
dich herum sich nicht 
unsicher fühlen: 
das hat nichts mit 
Erleuchtung 
zu tun.
Wir sind dazu bestimmt, 
zu leuchten wie Kinder.
Wir sind geboren, 
um die Größe Gottes, 
der in uns lebt, 
zu verwirklichen.
Und diese Größe ist 
nicht nur in einigen von 
uns, sie ist in jedem 
Menschen. Und 
wenn wir unser Licht 
leuchten lassen, dann 
geben wir unbewusst
anderen Menschen die 
Erlaubnis, dasselbe zu 
tun. Wenn wir selbst von 
Angst frei sind, 
dann sind die anderen 
durch unser Dasein auch 
frei.

MARIANNE WILLIAMSON 
„A return to love“ bzw. 
„Rückkehr zur Liebe“.