Komplexe Zahlen

Komplexe Zahlen
*
"Jetzt mal eben 
auf die Schnelle:
Welche Zahlen 
sind reelle?"
"Viele!" sagst du 
ganz natürlich.
"Ist das wahr?" 
Denn sowas spür ich.
"Auch die 
rationalen ganzen,
die mir auf 
der Nase tanzen
und sogar 
irrationale, 
die ich an 
die Tafel male?"
"Ja!" sagst du. 
"Ohne zu hexen,
zeig' ich dir 
jetzt die komplexen!
Denn komplexe 
Zahlen leben
fast nicht sichtbar 
trotzdem neben
der reellen 
Zahlenmenge!"
Das treibt mich 
jetzt in die Enge,
denn sie sind 
mir nie begegnet.
Wer's versteht, 
der sei gesegnet!

Irrationale Zahlen

Irrationale 
Zahlen
*
Natürliche und 
ganze Zahlen
kann man als Bruch 
mit 1 aufmalen,
oder auch schreiben 
auf Papier
und im Computer, 
so wie hier.
Deshalb nennt man 
sie rational.
Lässt sie sich nicht 
als Bruch notieren,
wird sie den 
Status ℚ verlieren
und dann 
irrational genannt.
Geheimnisvoll sind 
sie bekannt
als π (Pi) und e. 
Als √ aus...
sehen sie wie 
ein Wunder aus,
das unsre schöne 
Welt beschreibt,
als Formel, die 
auch übrigbleibt,
wenn unsre Welt 
zugrunde geht,
auch wenn das 
niemand ganz versteht.

 

Rationale Zahlen

Rationale Zahlen
*
Natürliche Zahlen 
sind ℕ.
Ganz einfach, weil 
ich sie ja kenn'.
Die ganzen Zahlen 
sind ℤ. 
Sie machen den 
Kohl richtig fett.
Da natürliche Zahlen 
nur positiv sind,
kommen ganze dazu, 
die auch negativ sind.
Die Rationalen 
erkennt man am ℚ.
Die Bruchzahlen zählen 
natürlich dazu.
Alles was man als Bruch 
auf Papier schreiben kann,
erfüllt die Bedingung, 
ist rational dann.
So erweitert sich diese 
Gesellschaft der Zahlen,
wird größer - wir können 
schon jetzt damit prahlen.

Ganze Zahlen

Ganze Zahlen
*
Ganze Zahlen 
offenbaren,
ob wir brav und 
sparsam waren.
Sie entstanden 
durch die Schulden,
die die Gläubiger 
erdulden.
Bisher blieben 
wir im Plus,
weil es sich 
so rechnen muss,
wo die Zahl 
"natürlich" ist
(was ihr sicherlich 
noch wisst).
"Minus" weitet 
nun gekonnt
uns'ren 
Zahlen-Horizont.
So geraten 
wir in Not
durch das 
Rückzahlungsgebot.

 

Natürliche Zahlen

Natürliche Zahlen
*
Wir zählen die Dinge, 
damit wir sie haben
und uns an dem Haben 
ganz vorzüglich laben.
Wir zählen die Äpfel, 
die Eier, die Schuhe,
verlieren dabei die 
Geduld und die Ruhe,
denn was man auch wählt,
wird erst mal gezählt.

"Womit zählt man?" 
kann sich nun 
der Suchende fragen
und ich will ihm ganz 
ohne Umschweife sagen:
Das Zählen von Dingen
kann uns nur gelingen
durch einfache Zahlen,
mit denen wir malen,
was immer wir in dieser 
Welt auch begehren,
wobei wir uns nicht um 
die Nachbarschaft scheren.

Natürliche Zahlen
bereiten uns Qualen,
weil man immer mehr will,
als man gerade hat.
Wie viel man auch kriegt,
man wird einfach nicht satt.
Man zählt mit den Zahlen. 
Der Nachbar hat mehr.
Wo krieg ich soviel wie 
die Nachbarschaft her?

So beuten "Natürliche 
Zahlen" uns aus.
Sie sehen am Ende 
zufriedener aus
als alle die Menschen, 
die mit ihnen zählen
und sich jeden Tag mit 
Berechnungen quälen.

Prima Primzahl

Prima 
Primzahl
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Als Einsiedler 
sind sie bekannt.
Die Zahlen, die 
man so erkannt,
dass sie sich schlicht 
nicht teilen ließen.
Den Mathemuffel 
wird's verdrießen.
Doch wer die Kraft 
der Zahlen liebt,
ist hocherfreut, 
dass es sie gibt.

Primzahlen heißen 
diese Tollen,
die sich nicht teilen 
lassen wollen,
die ungeteilt 
durchs Leben eilen
und sich nur durch 
sich selber teilen,
beziehungsweise 
teilen lassen.

Durch sich und eins - 
Ja, kaum zu fassen
ist die unglaubliche 
Magie.
Bricht man die 
Primzahl übers Knie?
Auf keinen Fall! 
Sie bleibt sich treu
und ungeteilt 
allein und scheu.

Zahlenphilosophie

Zahlenphilosophie
*
Auch Zahlen sind 
Persönlichkeiten,
die ordnend durch 
das Leben schreiten.
Und ganz egal, 
welche man wählt:
es wird auf jeden 
Fall gezählt,
addiert, geteilt, 
multipliziert,
denn diese Welt 
ist kompliziert.

Die Macht der 
Zahlen ist enorm,
reicht weiter als 
die Alltagsnorm,
an der wir uns 
gern orientieren.
Das Glück der Zahl 
zu akzeptieren,
zu nutzen, um den 
Geist zu weiten -
Darauf will ich 
mich vorbereiten,
indem ich 
einige erwähle
und euch von ihrer 
Kraft erzähle.

Die bedrohten Gedichte

Die bedrohten 
Gedichte
*
Ich bin den bedrohten 
Gedichten verpflichtet,
die sonst jeder kritische 
Dichter vernichtet.
Sie sind nicht den Regeln 
entsprechend gebaut,
nach denen der 
Literaturkenner schaut.
Im Gegenteil sind sie 
aus Träumen gezimmert,
durch die alle Weisheit 
der Unordnung schimmert.
Das Chaos der Bilder
macht Dichtungen wilder.
Doch wird diese Wildheit 
vom Volk nicht geschätzt,
weil sie die Bewohner 
in Panik versetzt.
Das will man vermeiden.
Deswegen erleiden
die Kunstwerke einen 
vorzeitigen Tod,
es sei denn, ich 
rette sie aus ihrer Not.

 

Manitus Vermächtnis

Manitus Vermächtnis
*
Dies Gedicht: 
ein Indianer
aus dem Stamm 
der Mohikaner
schleicht sich nachts 
durch meine Träume
und nutzt ihre 
Zwischenräume,
um mich mahnend 
zu befragen:
"Darf man dieses 
Wort noch sagen?"

Ich habe sehr 
wohl gehört,
dass das I-Wort 
ihn empört.
Doch in meinen 
Träumen reite
ich auf Fels- und 
Haaresbreite
durch die einsame 
Prärie.

Schlimm war dieses 
Wort mir nie,
denn mit Federn 
auf dem Haupt
dachte ich, 
als freier Mann:
"Ich darf reden, 
wie ich kann".
Nun um diesen 
Traum beraubt,
an den ich 
bisher geglaubt,
streich ich Manitus 
Vermächtnis
ganz und gar 
aus dem Gedächtnis.

Der Fifi von Moni Meloni

Der Fifi von 
Moni Meloni
*
Der Fifi von Moni 
Meloni heißt Hasso.
Beim Gassigeh'n führt sie 
ihn niemals am Lasso.
An Hausecken und 
gegen jede Laterne
hebt Hasso sein Bein 
voller Stolz nur zu gerne.
Er liebt stramme Waden 
und glänzende Schuhe.
Auf die uriniert er
in stoischer Ruhe,
verteilt sein Gewässer 
auf Tüten und Taschen,
scheut auch nicht zurück 
vor den weißen Gamaschen
der Männer im Anzug 
mit blauen Krawatten.
Die flutet er listig 
verborgen im Schatten,
denn Moni Meloni hat 
ihn so dressiert,
damit er sich nicht 
für sein So-Sein geniert.