Mut zum Aufbruch

Mut zum Aufbruch 
 *
Sein Leben wird von 
Traditionen geprägt, 
die man ihm bereits 
in die Wiege gelegt. 
Von Alltagsroutinen 
gelenkt wie auf Schienen 
verliefen die Pfade. 
Nie fand er das schade. 
Gewohnheiten halfen ihm, 
angstfrei zu leben. 
Sie schützten ihn 
vor unerwarteten Beben, 
die er so umgangen. 
Kein Ziel, kein Verlangen 
hat ihn aus dem täglichen 
Gleichschritt gebracht.
Der Alltagstrott hat 
ihn so schläfrig gemacht. 
Nun wächst in ihm plötzlich 
zu seinem Erstaunen 
ein Flüstern zuerst, 
dann ein murmelndes Raunen, 
das wie ein Magnet wirkt 
und so an ihm zieht, 
dass er sich bald 
aufmacht in fremdes Gebiet
mit verlockenden Räumen. 
Erst nur in den Träumen
erkennt er, was er 
durch Gewohnheit vermeidet
und unter der Schicht 
der Gewohnheiten leidet.
Deswegen stieg er 
aus dem Hamsterrad aus
und wagte sich mutig 
ins Leben hinaus.

Die Leinwand

Selbstzweifel 
* 
Die Farben sind 
schon angerührt.
Der Pinsel wird 
gekonnt geführt.
Was ihre 
Phantasie erfand,
wird dadurch 
aufs Papier gebannt.
Sie malt das, was 
ihr Geist erschuf.
"Wird diese 
Sehnsucht mein Beruf?"
fragt sie sich und 
dann zweifelt sie.
Sie denkt: "Das schaff' 
ich sicher nie!"
Durch ihre Hand 
entstehen Bilder.
Auf denen tanzt 
ein grauer, wilder,
in Stoff gehüllter 
Terrafant
mal auf dem Bein, 
mal auf der Hand.
Einmalig schillert 
ihr Projekt.
Dumm ist nur, dass 
sie es versteckt.
Sie fürchtet: "Man 
wird mich verspotten."
Wird ihre Kunst 
deshalb verrotten?
Ein Freund sieht das 
grandiose Bildnis 
mit Terrafant 
in rauer Wildnis 
und sagte: "Ich stell 
es für dich aus!" 
Nun lobt man sie 
landein, landaus 
und feiert sie 
als Künstlerin 
mit Fantasie 
und Eigensinn. 
Woran sie nicht 
im Traum gedacht, 
wurde durch Freundschaft 
wahr gemacht,
die ihre Zweifel 
ausgeräumt.
Wirklichkeit wird, 
was sie erträumt.

Die Angst vor der Angst

Die Angst vor der Angst
*
Die Abkürzung führt 
durch den Wald. 
Er fürchtet sich 
und ihm ist kalt. 
Doch außen drumherum 
zu geh'n 
dauert zu lang. 
So bleibt er steh'n. 
Er ringt mit 
ängstlichen Gedanken 
und seine Absicht 
scheint zu schwanken.
Doch dann gibt er 
sich einen Stoß, 
entschließt sich 
und läuft mutig los. 
Ein Schemen huscht 
am Baum vorbei. 
Der Mond scheint matt, 
der Weg ist frei. 
Ein Uhu schreit. 
Ein Zweiglein knackt. 
Steht dort ein 
Schatten, unbefrackt? 
Sein Atem stockt, 
er zuckt und schluckt. 
Er schwitzt. Als 
er genauer guckt, 
steht dort nur ein 
verformter Strauch 
mit flatterhaftem 
Blätterbauch. 
Die Furcht malt gern 
mit leichter Hand 
Gespenster aus 
dem Bilderland, 
das sich im eignen 
Geist befindet 
und uns an unsre 
Ängste bindet.

 

Die Angst vor der Brücke

Die Angst vor der Brücke 
*
Die Brücke schwankt im leichten Wind. 
Lianen, die verknotet sind, 
versprechen Sicherheit und Halt. 
Dem Wanderer wird heiß und kalt, 
denn manche Brücke stürzte ein 
und er will nicht der nächste sein, 
der in die wilden Fluten stürzt 
und seine Lebenszeit verkürzt. 
Doch wenn er diesen Schritt nicht wagt, 
ängstlich verzweifelt und versagt, 
erreicht er das gesetzte Ziel, 
das anzustreben ihm gefiel, 
auf keinen Fall. Dann wird beklagt,
dass er die Schritte nicht gewagt. 
Wird er die Furcht mutig besiegen? 
Ein Schritt - 
schon steht er auf den Stiegen 
der Brücke, die hinüber führt. 
Ein Fuß der zögernd Holz berührt. 
Dann strafft er sich 
und geht entschlossen 
hinüber auf den schmalen Sprossen. 
Plötzlich ein Stolpern. Er erbleicht. 
Doch bald hat er sein Ziel erreicht. 
Auf seine Furcht zurückzuschauen, 
stärkt ihn und weckt sein Selbstvertrauen. 
Wer sich mutig den Ängsten stellt, 
 geht seinen Weg durch diese Welt. 

Der Kontrolleur

Der Kontrolleur
*
"Bist du seine wachsame innere Stimme?"
"Das bin ich. Ich pass auf ihn auf." 
"Warum verbietest du ihm so viele Dinge? 
Er darf ja fast gar nichts bei dir."
"Würde ich nicht aufpassen, wäre der 
ganze Laden längst den Bach runtergegangen. 
Ohne mich läuft nichts."
"Du bist also die innere Stimme, die alles 
kontrolliert und darauf achtet, dass er 
keine Probleme bekommt? Stimmt das?"
"Nenn mich Checker."
"Okay, Checker. Du hast einen harten Job 
und strengst dich sehr an, damit alles 
funktioniert, richtig?"
"Ganz genau."
"Und belohnt er dich für deine Arbeit? Ist 
er froh, dass es dich gibt?"
"Nein. Er wäre froh, wenn er mich los wäre. 
Er hat keine Ahnung, wie wichtig ich bin."
"Ist er wenigstens dankbar, dass du ihn 
beschützt?"
"Meine Arbeit wird leider von keinem geschätzt."
"Kann überhaupt etwas geschehen, ohne dass du 
es erlaubst?"
"An mir kommt keiner vorbei."
"Gibt es noch andere innere Stimmen?"  "Ja."
"Darf ich mit ihnen sprechen?"
"Nur wenn ich dabei bin." "Du willst sie beschützen?"
"Ja." "Wenn ich dich also um Erlaubnis bitte, 
mit einer anderen Stimme zu sprechen – 
wirst du sie mir geben?"
"Das kommt drauf an."  "Worauf?"
"Ob sie mit dir reden wollen."
"Du gibst ihnen also die Freiheit, 
selbst zu entscheiden?"
"Ich will sie beschützen."
"Vertraust du mir?"  "Es geht so."
"Wenn ich mit anderen Stimmen spreche, 
bist du ja immer dabei. Du kannst jederzeit 
eingreifen und das Gespräch beenden."
"Das ist mir schon klar."
"Mit welcher Stimme darf ich zuerst sprechen?"
"Der Kritiker hat dir wohl etwas zu sagen."
"Dann will ich jetzt hören, was er mir zu sagen hat."

Traumstadtphilosoph

Traumstadtphilosoph
*
Ein Traumstadtphilosoph 
- vertieftes Denken,
um das Gedachte dann 
der Welt zu schenken.
Tiefsinnig richtet er 
den Blick nach innen,
um etwas für das 
Leben zu gewinnen.
Denn in ihm schlummert 
heimlich, still und leise
die Stimme des Gewissens, 
klug und weise.
Sie wartet darauf, 
dass wir sie erwecken.
Ein jeder Mensch kann 
sie in sich entdecken.
Wer sie gefunden hat, 
kann deutlich spüren:
Sie will uns mutig 
in die Zukunft führen.
Doch findet man sie nur - 
das ist ihr Wille -
am tiefsten Grund in uns, 
dem Ort der Stille.

Die Stimme der Angst

Die Stimme der Angst
*
"Vor deiner Haustür hängen 
Schilder, auf denen steht:
„Was, wenn ...?“
„Pass auf!“
„Geh lieber nicht.“
„Das könnte schiefgehen.“
„Ich bin mir nicht sicher.“
Haben die etwas zu bedeuten?"

"Muss ich das wirklich erklären?" 

"Entschuldigung, aber ich wüsste 
wirklich gerne, was diese Sätze 
für dich bedeuten."

"Sie bedeuten natürlich, 
dass man aufpassen muss."

"Worauf denn aufpassen?"

"Willkommen im 22. Jahrhundert. 
Schon mal was von Klimawandel, 
Pandemien, 
Umweltkatastrophen und 
menschlichem Versagen 
gehört?"

"Und das macht dir Angst?"

"Wer keine Angst hat, ist dumm."

"Was nützt dir deine Klugheit?"

"Ich bereite mich vor auf all das, 
was geschehen könnte. 
Ich habe Vorräte angelegt 
und für alle Fälle 
einen Fluchtplan. 
Ich gehe kaum noch 
aus dem Haus, 
um Kontakte zu vermeiden, 
bei denen ich mich 
anstecken könnte."

"Ist das noch 
ein schönes Leben?"

"Darum geht es ja nicht. 
Ich versuche zu überleben 
in einer feindlichen Welt."

"Was sind deine Zukunftsaussichten?"

"Die Welt, wie wir sie kennen, 
könnte zerstört werden. 
Dann bauen wir etwas Neues auf."

"Und du bist bereit?"

"Auf jeden Fall!"
(Das Bild wurde von und mit
Computerprogrammen (KI) erstellt.

Die Angst vor der Stimme

Die Angst 
vor der Stimme
*
Wie kraftvoll 
seine Stimme klingt,
wenn er allein 
im Zimmer singt.
Hier wagt er es, 
er selbst zu sein,
aufrecht und klar, 
kein schöner Schein.

Doch tritt er 
vor das Publikum,
wird seine Seele 
plötzlich stumm.
Er zittert und 
die Stimme bebt
weil ein Gedanke 
sich erhebt.

Er flüstert: "Ach, 
was singst du schlecht!"
Ihm macht es sicher 
niemand recht.
Er murmelt: 
"Du bist kein Tenor!
Dein Klang beleidigt 
jedes Ohr

Du kannst nicht Bass, 
nicht Bariton!
Ständig verfehlst 
du jeden Ton.
Man hält sich 
schon die Ohren zu.
Halte den Mund, 
gib endlich Ruh."

Doch er wagt es, 
zu sich zu stehen.
"Sollen sie meine 
Angst nur sehen."
beschließt er und 
betritt die Bühne
als frisch erwachter, 
stolzer Hüne.

Was eingesperrt war 
hinter Gittern
befreit sich nun 
mit einem Zittern.
Es bricht mit 
voller Kraft hervor
und trifft erlösend 
Herz und Ohr.

Dann hört man 
Menschen applaudieren,
die seinen Mut 
nun honorieren
und sich durch 
ihn ermutigt sehen,
auch selbst zu 
ihrer Angst zu stehen.

Die Kraft der Evolution

Die Kraft der 
Evolution
*
Was wir auf 
dieser Erde sehen:
Die neue Welt 
ist am Entstehen.
Gewohntes Denken 
bäumt sich auf
und nimmt dabei 
Gewalt in Kauf.
Es will verweilen 
bei dem Alten.
Die Zukunft ist 
nicht aufzuhalten.
Die Angst vor 
Neuem will zurück
und denkt, im Alten 
liegt das Glück.
Doch vor uns liegt 
ganz sicherlich
die neue Welt 
für dich und mich:
für UNS - so wird 
es weitergehen,
doch nur, wenn 
wir zusammenstehen.
Die eine Welt 
gehört uns allen.
Doch wenn wir 
auseinanderfallen
und uns im 
Größenwahn vernichten
gibt es bald gar 
nichts mehr 
zu dichten.

 

Die verunglimpfte Pumpe

Die verunglimpfte 
Pumpe
*
Ach, hätten wir bloß 
auf Herrn Habeck gehört.
und uns niemals 
wegen der Pumpe empört.
Wir glaubten, er zwingt 
uns zur Wärmpumpenpflicht,
und merkten zu spät: 
Eine Pflicht gab es nicht.
Wir lasen in Blättern, 
sein Vorschlag sei schlecht -
ein Irrglaube, der sich 
im Geldbeutel rächt.
Nun sitzen wir hier 
und verbrennen die Lumpen
anstatt Energie aus 
dem Boden zu pumpen.