Aus dem Handbuch der Vielfalt, Band 7.4

Aus dem Handbuch der Vielfalt, 
Band 7.4
1: Belohne die Nutzung kultureller 
Produkte anderer Zivilisationen als 
„kulturellen Austausch“. Fördere so, 
dass sich Kulturen begegnen und 
vermischen – und dass die von deinem 
Volk genutzten Kulturgüter 
vielfältiger, bunter und kreativer 
werden. (Vielfaltsgebot!)
2: Erlaubt und ausdrücklich erwünscht 
sind zum Beispiel:
- Dreadlocks, Cornrows und alle 
Frisuren, die Freude machen, 
- indigene Federschmucke (am schönsten 
zusammen mit einer Einladung von 
Stammesältesten, die ihre Geschichten 
erzählen), 
- Kimonos, Saris, Ponchos, Dirndl 
– getragen mit Respekt, Würde 
und Neugier
- Musikrichtungen wie Jazz, Rap, 
Reggae, Flamenco, K-Pop – am besten 
gemeinsam musiziert
- kulinarische Abenteuer (Pizza, Sushi, 
Curry, Falafel, Tacos – möglichst 
nicht aus der Tiefkühltruhe, sondern 
im Dialog mit denjenigen, die die 
Tradition pflegen)

3: Ermuntere dein Volk, sich die Haut in 
allen Farben des Regenbogens zu bemalen. 
Damit stärkst du die Identifikation 
mit Menschen anderer Kulturen und 
verstärkst Empathie und Solidarität.
Bedenke: Empathie könnte zukünftige 
Konflikte erheblich erschweren 
– und genau das ist der Sinn 
der Übung!
4: Unterstütze internationale Feste und 
Feiertage (Karneval, Halloween, Ramadan, 
Diwali, Día de los Muertos). So bleibt 
dein Volk nicht nur unberührt, sondern 
im besten Sinne tief berührt von 
fremden Traditionen.
5: Ermutige Literatur, Film und Theater, 
die Vielfalt sichtbar machen. Alles, 
was fremde Kulturen positiv darstellt, 
soll gefördert werden. Statt einer 
heroischen Nationalerzählung: 
Geschichten der Begegnung, der 
Freundschaft, der Liebe und des 
Lernens voneinander.
6: Feiere die Sprache deines Volkes als 
lebendiges Mosaik. Lade Fremdwörter, 
Anglizismen, Lehnwörter und 
Neuschöpfungen ein – je mehr, desto 
reicher das Vokabular.
Und vergiss nicht: Jede Sprache lebt 
davon, dass sie sich verändert und 
wächst.
7: Etabliere Orte des Austauschs 
– Marktplätze, Schulen, Festivals, 
Bibliotheken –, an denen Menschen 
einander begegnen und ihre 
Traditionen teilen können. 
Vielfalt gedeiht dort, wo sie 
sichtbar und erfahrbar wird.

 

Aus dem Handbuch für Diktatoren Band 1.4

Aus dem Handbuch für Diktatoren, 
Band 1.4
1:
Bestrafe die Nutzung kultureller 
Produkte anderer Zivilisationen 
als „kulturelle Aneignung“. 
Verhindere so, dass sich 
Kulturen vermischen und stelle 
sicher, dass die von deinem Volk 
genutzten Kulturgüter 
ausschließlich deinem Einfluss 
unterliegen (Reinheitsgebot!).
2:
Verboten sind zum Beispiel:
Dreadlocks
indigene Federschmucke
Kimonos
fremde Musikrichtungen (Jazz, 
Rap, Reggae)
fremdsprachige Ausdrücke im 
alltäglichen Sprachgebrauch
Speisen aus anderen Ländern 
(Pizza, Sushi, Curry)
3:
Verbiete deinem Volk, sich 
die Haut schwarz oder gelb 
zu färben. Damit unterbindest 
du jede Identifikation mit 
Menschen anderer Kulturen 
und verhinderst Empathie mit 
ihnen. Bedenke: Empathie 
könnte zukünftige Kriege 
erheblich erschweren!
4:
Unterdrücke internationale 
Feste oder Feiertage (z. B. 
Karneval, Halloween, Día de 
los Muertos). So bleibt dein 
Volk von „fremden Traditionen“ 
unberührt.
5:
Kontrolliere Literatur, Film 
und Theater. Alles, was fremde 
Kulturen positiv darstellt, 
muss zensiert werden. 
Stattdessen: 
heroische Erzählungen über 
die eigene Nation.
6:
Stelle sicher, dass die 
Sprache deines Volkes 
frei bleibt von „Fremdwörtern“. 
Reinige das Vokabular und 
bestrafe jeden, der Anglizismen 
oder Lehnwörter verwendet.

 

Aus dem Handbuch für Diktatoren Band 1.3

Aus dem Handbuch für Diktatoren, Band 1.3

1: Frauenrechte sind dir gleichgültig. 
Doch schenke ihnen das Gender-Sternchen, 
damit sie glauben, gesehen zu werden – 
und weiterhin kostenlos die Care-Arbeit 
verrichten, die du sonst bezahlen 
müsstest.

2: Verkünde laut und breit die Bedeutung 
geschlechtergerechter Sprache. Solange 
Frauen damit beschäftigt sind, sich 
sprachlich bestätigt zu fühlen, werden 
sie nicht wie einst die Suffragetten 
auf die Straße gehen.

3: Unterschätze niemals die Macht der 
Frauen. Würden sie geschlossen streiken 
wie in Lysistrata, wäre das fatal für 
unsere Männerwelt. Also: Entziehe ihnen 
das Recht auf Abtreibung, zwinge sie zu 
vielen Kindern und binde sie fest an die 
Aufzucht deiner künftigen Arbeiter.

4: Lass Kinderbücher in deinem Sinne 
umschreiben. Mach aus Pippi Langstrumpf 
ein angepasstes Mädchen, das stolz auf 
den Rang ihres Vaters als Inselchef 
verweist, brav mit Puppen spielt und 
ihre Zeit mit TikTok-Videos verbringt.

5: Nutze die sozialen Medien, um Frauen 
und Mädchen einzureden, sie seien nur 
liebenswert, wenn sie Markenkleidung 
tragen und sich nach vorgegebenen 
Schönheitsidealen schminken. So 
lassen sie sich leichter manipulieren, 
zweifeln an ihrer eigenen Kraft und 
suchen Bestätigung bei Männern.

6: Sorge dafür, dass jede Kritik am 
Patriarchat als „Hysterie“ oder 
„überzogene Empfindlichkeit“ abgetan 
wird. So lernen Frauen, an sich selbst 
zu zweifeln, statt an deinen 
Machtstrukturen.

Aus dem Handbuch für Diktatoren Band 1.2

Handbuch für Diktatoren 
Bd. 1.2, Kap.7:
*
1: Erlasse Bekleidungsregeln 
für Versammlungen des 
Mitbestimmungsrates. Diese 
Regeln dürfen niemals wie 
Vorschriften für ein 
einheitliches Auftreten wirken 
– auf keinen Fall Uniformen, 
denn die Teilnehmenden sollen 
den Eindruck behalten, frei zu 
sein. 
2: Sorge jedoch dafür, dass die 
Vorschriften aus einer Vielzahl 
willkürlicher Anordnungen 
bestehen (z. B. Verbot bestimmter 
Pulloverarten, Hüte oder Aufdrucke). 
Damit verunsicherst du sie und 
zwingst sie, mehr Zeit mit der 
Sorge um ihre Kleidung zu 
verbringen als mit den Problemen 
der Arbeitenden.
3: Verordne zudem die Pflicht, in 
allen Reden eine geschlechtergerechte 
Sprache zu verwenden (ArbeiterInnen, 
BürgerInnen, SklavInnen). Die 
RednerInnen werden so in sprachliche 
Korrektheit verstrickt und verlieren 
die Konzentration auf ihr eigentliches 
Ziel.
4: Ergänze die Pflicht um ein Verbot, 
Wörter zu benutzen, die auf 
unterdrückte Minderheiten hinweisen. 
Ersetze sie in allen Büchern durch 
scheinbar neutrale Begriffe 
(z. B. „Neger“ → „People of Colour“, 
„Zigeuner“ → „Sinti und Roma“). 
Auf diese Weise löschst du die 
Erinnerung an die erlittene 
Unterdrückung.
5: Schüre anschließend eine endlose 
Debatte über den richtigen 
Sprachgebrauch, damit das Volk mit 
den Worten ringt – während du es 
ungestört weiter ausbeutest. 

Aus dem Handbuch für Diktatoren Band 1.1

Aus dem Handbuch für 
Diktatoren,Bd.1.1,Kp.3:
*
Gib ihnen nur so viel Nahrung, 
dass sie stark genug sind, 
weiter für dich zu schuften.

Gönne ihnen hin und wieder ein 
kleines Vergnügen, damit sie 
deine Gnade preisen.

Überflute ihren Geist mit 
endlosen Bildern und 
Informationen, bis sie unfähig 
sind, Wesentliches vom 
Unwesentlichen
zu unterscheiden.

Sorge stets dafür, dass es 
Menschen gibt, die noch 
weniger haben als sie.

Hetze sie gegen diese Armen 
auf und fordere, den 
Bedürftigen das Wenige zu 
nehmen, damit die Arbeitenden 
glauben, im Vorteil zu sein.

Teile die Gesellschaft in 
Gruppen, die sich gegenseitig 
beneiden, misstrauen und 
verachten.

Verhindere, dass sie 
miteinander sprechen, einander 
verstehen oder sich verbünden 
können.

Genieße im Stillen alles, 
was du ihnen entrissen 
hast.


Traumstadtbaum

Traumstadtbaum
*
In der Traumstadt 
steht ein dicker Baum,
voll mit Äpfeln,
köstlich anzuschauen.

Jeder, der vorbeikommt,
will sie pflücken.
Man sieht Hände, die 
sich gierig strecken.

Doch man muss sich
nach den Äpfeln bücken, 
weil sie sich im tiefen
Teich verstecken.

Schimmernd spiegeln sie 
sich in dem Teich
und nur die im Spiegel
kann man greifen.

Das erkennen viele 
nicht sogleich,
weshalb sie hinauf
ins Leere greifen.

Dass die Welt sich 
in der Tiefe spiegelt,
diese Frucht bleibt für sie
noch versiegelt


Traumwelt

Traumwelt
*
In der Traumstadt 
lebt ein alter Mann,
der zwar in die 
Zukunft schauen kann,
doch er spricht stets 
gerne lang und breit
über sich und 
die Vergangenheit.

Wenn er redet sagt er, 
dass du träumst
und dadurch die 
Gegenwart versäumst.
Doch er selber 
lebt in alten Träumen
und in ungelebten 
Zwischenräumen.

Plötzlich merkst du, 
dass er selber träumt,
seine Welt erschafft 
in jeder Nacht.
Wie wir alle 
hat auch er versäumt,
wachsam da zu sein 
in ganzer Pracht.

Wolltest du ihn 
jetzt daraus erwecken,
könntest du ihn sicher 
nur erschrecken,
schwere Zweifel 
säen in dem Alten.
Lass ihn seine 
Illusion behalten

und sieh zu, dass 
du anders entscheidest,
damit du nicht an 
dem Irrtum leidest.
Geh' bewusst auf 
dich allein gestellt
wach mit offenen 
Augen durch die Welt.

Wenn Hasen auf dem Rasen grasen

Wenn Hasen auf 
dem Rasen grasen
*
In der Traumstadt auf 
dem taubedeckten Rasen 
sieht man täglich 
kunterbunte Hasen grasen.

Diese Hasen knabbern 
nicht etwa am Gras, 
und sie fressen auch 
nicht einfach dies und das, 
sondern nagen an den 
Blättern bunter Blüten, 
die sich anständig 
um ihr Geblüh bemühten. 

Ihre Blätter sind geformt 
wie Halbton-Noten 
und der Bürgermeister 
hat es streng verboten, 
von der Pracht der 
Noten etwas abzunagen. 
Knabbert trotzdem wer, 
geht es ihm an den Kragen. 

Ein Verbot, das alle 
Hasen ignorieren, 
die tagtäglich morgens 
früh auf allen Vieren 
durch die Blühung hoppeln 
und sich dort erfrischen. 

In der Tat kann man 
die Nager nicht erwischen, 
denn wie alles in der 
Traumstadt, dies sei eingeräumt, 
sind auch sie so wie 
Blüten einfach nur geträumt.

Der törichte Elefant

Der törichte Elefant
*
In der Traumstadt 
lebte einst ein Elefant,
der graziös und elegant
auf dem einen 
seiner Beine stand
und mit den drei 
anderen jonglierte,
bis ihm jenes 
Missgeschick passierte.

"Wär ich nur so 
zart wie Klara Klick,
die das Publikum erstaunt 
durch ihr Geschick,
mit dem sie auf 
einem Drahtseil balanciert
und darauf zum 
Kirchturm hoch spaziert.

Ach dann wär mein 
Leben reiner Segen.
Ich will mich auch 
auf dem Seil bewegen"
Aber er, den 
man Elani nannte,
stürzte, weil er die 
Gefahr nicht kannte
und die Kraft des 
Seiles überschätzte,
indem er sich mittig 
niedersetzte.

Als die Menschenmenge 
jubelnd applaudierte
und Elani sich 
stolzierend nicht genierte,
einen Salto zu versuchen 
auf dem einen Bein
hörte man das 
Publikum laut schrei'n.

Denn er stürzte - 
und er stürzte tief,
weshalb man nach 
einem Notarzt rief,
der den Totenschein 
noch auf der Stelle schrieb,
weil vom Elefanten 
nichts mehr übrig blieb.