Heißes Pflaster

Coming Soon

*

Nur ein Grashalm

Das Kloster lag hinter dem Nebelwald am Fuß des Pyramidenberges. 
Die Einheimischen nannten es deshalb das Kloster der Himmelspyramide. 
Es wurde oft von Pilgern besucht, die weite Wege in Kauf nahmen, 
um hier einige Zeit in Ruhe und Meditation zu verbringen. Jeden 
Morgen, wenn die Glocke zur Laudes rief, blieben einige Mönche im 
Klosterhof stehen und bekreuzigten sich. Ihr Blick glitt schweigend 
an den steilen Flanken des Berges empor bis zur Spitze, die sich 
scharf gegen den Himmel abhob. Erst dann betraten sie schweigend 
die Kapelle. Luis hatte Pilze im Wald gesucht und sie zu Bruder 
Antonius ins Kloster gebracht. Bruder Antonius lüftete den Deckel 
des Weidenkorbes an und beugte sich neugierig darüber. "Steinpilze?" 
fragte er. Luis nickte. "Und Pfifferlinge. Ganz frisch heute Morgen 
gesammelt." Der Mönch lächelte zufrieden, holte einige Münzen aus 
der Tasche der Soutane und ließ sie in Luis' Hand fallen. "Das Dach 
der Kapelle ist undicht geworden. Kannst du es für uns reparieren?" 
"Natürlich." "Der Abt sagt immer, niemand hat so geschickte Hände 
wie du." Luis verabschiedete sich und schlenderte den Feldweg 
entlang, der außen am Rand des Waldes zum Dorf führte. Er stellte 
sich vor, wie seine Frau Jutta gerade das Brot aus dem Ofen holte 
und das warme Sonnenlicht durch das kleine Küchenfenster auf Peros 
Bett fiel. Kurz vor dem Dorfeingang hörte Luis hinter der alten 
Bruchsteinmauer schnelle Schritte. "Papa!" Sein Sohn Pero stürmte 
auf ihn zu, sprang ihm entgegen und klammerte sich an seinen Hals. 
Luis lachte. "Na, wen haben wir denn hier?" Er hob ihn hoch und 
drehte sich einmal mit ihm im Kreis. "Wo willst du denn so eilig 
hin?" "Noch mal in den Wald." Luis stellte ihn wieder auf den Boden. 
"Aber nicht zu weit." "Bin bald zurück." Der Junge winkte noch 
einmal und verschwand zwischen den Bäumen. Luis sah ihm lächelnd 
nach. Es war das letzte Mal, dass Pero seinen Vater lebend sah.

Aufstieg

Aufstieg
*
Ein Gedicht verdient 
sich Sporen.
Es wurde nicht 
reich geboren,
musste arbeiten 
und dienen,
freundlich sein 
trotz böser Mienen,
höflich sein, auch 
wenn es schmollt,
weil der Chef nur 
schimpft und grollt.
Ist es Jahre 
später oben,
darf es böse 
sein und toben.

CrimeTime

CrimeTime
*
Pilger finden 
einen Toten,
obwohl Töten 
streng verboten.
Doch im Wald 
am Fuß der Eiche
liegt eindeutig 
eine Leiche.

Polizisten, 
Kommissare
sichern Spuren, 
prüfen Haare,
diskutieren 
das Geschehen,
fragen: "Wer hat 
was gesehen?",
und erkennen 
gleich vor Ort:
Hier geschah ein 
dreister Mord!

Bald meldet sich 
ein Verräter.
Durch ihn findet 
man den Täter.
Der wird, auch wenn 
er sich wehrt,
festgesetzt und 
eingesperrt.

Kaum hat man 
sie aufgeklärt,
ist die Tat auch 
schon verjährt.
Kurz ist so 
ein Menschenleben.
Darauf lasst uns 
einen heben!

Den Baum umarmen

Den Baum 
umarmen
*
In manchen 
spirituellen 
Traditionen 
gelten Bäume 
als lebendige Wesen 
mit besonderer 
Energie. 
Besonders alte 
Bäume werden 
oft als Orte 
der Weisheit oder 
Ruhe angesehen. 
Das Umarmen 
eines Baumes 
kann dort eine 
meditative 
oder rituelle 
Handlung sein.

 

Die Sterne erkunden

Die Sterne 
erkunden
*
Wir wollen das 
Universum entdecken,
die Sterne erkunden 
und Milchstraßen checken.
Um etwas zu lernen, 
sind wir auf der Welt,
Besucher, kurz auf 
diese Erde gestellt.
Stirbt einst unser Körper, 
wird man für uns beten.
Die Reise geht weiter 
zu neuen Planeten,
die wir dann 
durchstreifen,
um weiter zu reifen
als Wesen, vom Kosmos 
aus Sternlicht gewebt,
das in jedem Herzen 
als Zuversicht lebt.

Verankert

Verankert
*
Ich habe Anker in 
den Grund geschlagen,
damit mein kleines Schiff 
sich nicht bewegt.
Ich wollte mich in 
Sicherheiten wiegen
und habe meinen 
Kutter lahmgelegt.

Jetzt bin ich an 
dem Ankerplatz verrostet.
Ein Preis, den eine 
Sicherheit wohl kostet.
Ich würde meine 
Anker gerne lösen
und mich vom Strom des 
Wassers treiben lassen.

Vertrauensvoll in 
Wind und Sonne dösen,
wird sich wohl nicht so 
einfach lernen lassen.
Ich würde es trotzdem 
sehr gern probieren,
will mutig sein und 
meine Angst verlieren.

Statussymbol

Statussymbol
*
Ein Gedicht 
ohne Krawatte
scheitert, weil 
es keine hatte.
Ohne eine, 
nackt und bloß,
war es seinen 
Status los.
Mit Krawatte 
zeigt es an,
wer es ist 
und was es kann.
Trägt es keine 
umgebunden,
wird es nicht 
für wert befunden.
Niemand wird es 
so empfangen. 
Es muss um 
sein Image bangen.

Verdorbener Magen

Verdorbener 
Magen
*
Ein Gedicht, 
aus Holz gezimmert,
das im Licht des 
Mondes schimmert,
glänzt, weil es 
von Lack umhüllt,
der die kleinen 
Löcher füllt:
Löcher, die der 
Wurm gefressen,
der aus 
Eigeninteressen
sich durch jede 
Lackschicht wühlt,
weil er sich sehr 
hungrig fühlt.
Lack liegt aber 
schwer im Magen.
Darum muss ich 
leider sagen,
dass der Wurm 
daran gestorben,
weil sein Magen 
ward verdorben.

Nützliche Maschinen

Nützliche 
Maschinen
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Ein Computer kann 
nicht weinen,
die KI nicht traurig sein.
Doch sie können so erscheinen –
und dann bilden wir uns ein,
sie wären beseelte Wesen. Wie der Schrubber und der Besen
sind sie gute Mitarbeiter,
manchmal sogar Spitzenreiter,
die uns täglich unterstützen,
helfen und dem Fortschritt nützen. Niemand möchte sie mehr missen:
Weltumspannend ist ihr Wissen,
zahllos sind die Fähigkeiten,
Glück und Freude zu verbreiten. Wenn wir nichts mehr selber machen,
werden wir dereinst erwachen:
schwach und hilflos wie ein Kind,
weil wir nicht mehr nützlich sind.