Die Angst vor der Stimme

Die Angst 
vor der Stimme
*
Wie kraftvoll 
seine Stimme klingt,
wenn er allein 
im Zimmer singt.
Hier wagt er es, 
er selbst zu sein,
aufrecht und klar, 
kein schöner Schein.

Doch tritt er 
vor das Publikum,
wird seine Seele 
plötzlich stumm.
Er zittert und 
die Stimme bebt
weil ein Gedanke 
sich erhebt.

Er flüstert: "Ach, 
was singst du schlecht!"
Ihm macht es sicher 
niemand recht.
Er murmelt: 
"Du bist kein Tenor!
Dein Klang beleidigt 
jedes Ohr

Du kannst nicht Bass, 
nicht Bariton!
Ständig verfehlst 
du jeden Ton.
Man hält sich 
schon die Ohren zu.
Halte den Mund, 
gib endlich Ruh."

Doch er wagt es, 
zu sich zu stehen.
"Sollen sie meine 
Angst nur sehen."
beschließt er und 
betritt die Bühne
als frisch erwachter, 
stolzer Hüne.

Was eingesperrt war 
hinter Gittern
befreit sich nun 
mit einem Zittern.
Es bricht mit 
voller Kraft hervor
und trifft erlösend 
Herz und Ohr.

Dann hört man 
Menschen applaudieren,
die seinen Mut 
nun honorieren
und sich durch 
ihn ermutigt sehen,
auch selbst zu 
ihrer Angst zu stehen.
Veröffentlicht in Poetry.