Rettung
*
Die Pistole
wird gezogen.Der Arm wird
gestreckt.Die Waffe wird
ausgerichtet.Es wird gezielt.Ein schiefes Lächeln
wird gezeigt.Ein Blick wird
gnadenlos fixiert.Beine werden in
Bewegung gesetzt.Ein Rennen
wird begonnen.Ein Salto vorwärts
wird vollführt.Eine Drehung nach rechts
wird ausgeführt.Hastige Schritte
werden gehört,
auf raschelnden Blättern.Ein Körper wird in
ein Loch gestürzt.Ein Knacken wird im
Unterholz vernommen.Durch einen Tunnel
wird gekrochen.Eine Verfolgung wird
aufgenommen,
mit keuchendem Atem.Zwischen Bäumen wird
hindurch gerobbt.Blaue Bohnen werden
vorbeigezischt - ganz
nah an dem Ohr.Eine Flinte wird
gefunden, angelehnt an
einem Baum.Ein Streichholz
wird in der Dunkelheit
entflammt.Eine Zigarettenspitze
wird zum Glühen gebracht.Ein Ziel wird anvisiert.Ein Schuss wird abgegeben.Gerettet!
Küchengeflüster
*
Der Herd fängt
an zu qualmen,die Soße
kocht fast schon,der Kellner trägt
die Speise undruft dezent:
"Pardon!"Man riecht den Duft
– ein Wunder,wonach man
gierig schnappt,und für die
feine Speiseden stolzen
Preis berappt.Jetzt will man
nur noch knabbern.Der Mund scheint
schon
zu sabbern,weil man
erfreut entdeckt,wie fein die
Mahlzeit
schmeckt.
Schnellimbiss
*
Eier in die
Pfanne schlagenfür den heißhungrigen
Magen.Salz und Pfeffer
aus dem Sackgibt der Speise
mehr Geschmack.Speck und Kräuter
in das Mahl,dann bleibt es nicht
fad und schal.Wer den Schnellimbiss
nicht scheut,wird durch diesen
Fraß erfreut.
Ein flüchtendes
Gedicht
*
Ein Gedicht
möchte verduften.Es will nicht mehr
für mich schuften.
Dieser unverschämte
Rackerschleicht sich
unerlaubt vom Acker.Um sich aus
dem Staub zu machen,packt es seine
Siebensachenund macht so
gekonnt die Fliege,dass ich es jetzt
nicht mehr kriege.Wenn es jetzt
die Kurve kratzt,bin ich gnadenlos
verratzt.Wie soll ich es
je verdauen,dass es wirklich
abgehauenist und ich nun
sein Verschwindenweinend aller
Welt verkünden
und dabei
gestehen muss:
"Das Gedicht macht
mit mir Schluss!"
Tanz
des Augenblicks*Deine Füße
berühren den Boden.Du wirbelst herum.Dein Bein schwingt
durch die Luft.Du streckst deine Arme,wirst weit und leicht.Musik treibt dich kraftvollvoran durch den Raum,erfüllt deinen Körper.Du hältst dich im Zaum.Doch die Grenzen zerfließen.Du kannst es genießen,wie außen und innenineinander verrinnen.Du lässt dich treiben,um frei zu bleiben.Der Raum, die Zeitwird Ewigkeit.Du atmest.Dein Herz pulsiert.Du lebst.Springst weit.Drehst dich
um dich selbst.Hältst deine Augen
immer wieder an dem
Punkt des Augenblicks.Breitest die Arme aus.Streckst dich.Lässt die Bewegung fließen.Stampfst auf den Boden.Ziehst dich zusammen.Rollst durch den Raum.Hüpfst von einer Ecke
in die andere.Hüpfst vom Boden
an die Decke.Springst und lachst.Bist der
sprungbereiteste
Tanzball auf
der ganzen Erde.Was heißt Erde....Der
sprungbereiteste
Tanzball im ganzen
Planetensystem.
Das Zevenaar-Gedicht
(zeven = niederländisch
= sieben)besteht aus
sieben Zeilen.1. Zeile: Ein Ort2. Zeile: Ein Ich-Satz
und eine Tätigkeit3. Zeile: Eine Frage
oder ein Vergleich4. Zeile: Die Situation
genauer betrachten5. Zeile: Noch näher
heranzoomen6. Zeile: 1. Zeile
wiederholen7. Zeile: 2. Zeile
wiederholen*Im Himmel.Ich sitze und meditiere.Wird mein Geist klar genug sein?Die Menschen auf der Erdegehen alle ihren Weg.Im Himmel.Ich sitze und meditiere.*Im Keller.Ich schlage gegen die hölzerne Tür.Warum hat man mich eingesperrt?Dunkelheit hält mich gefangen.Mein Herz schlägt wild gegen die Brust.Im Keller.Ich schlage gegen die hölzerne Tür.*Auf dem Dach.Eine Katze schleicht um den Kamin.Was sucht sie in luftiger Höhe?Ihre Tatzen kratzen am Ziegel.Kleine Mäuse huschen davon.Auf dem Dach.Eine Katze schleicht um den Kamin.*Auf dem Kürbis.Ich sitze auf ihm und denke jetzt nach.Hilft die Natur mir, mich selbst zu verstehen?Der Kürbis ist rot.Unter meinem Gewicht sackt er in sich zusammen.Auf dem Kürbis.Ich sitze auf ihm und denke jetzt nach.
Schamanenbanane
*
Moni schreibt auf
eine grüne Banane:
"Du bist sicher nicht
der gesuchte Schamane,
der meine
Verletzungen
dauerhaft heilt!"
Das spüre ich, weil
deren Schmerz noch
verweilt.
Kraftbrühe*
Er ist hungrig,
darum freut er
sich auf frisch
gepflückte Kräuter,
die er in
die Suppe streut.
Er hat es
noch nie bereut,
sich an seinen
Herd zu stellen,
wenn die roten
Linsen quellen
und die Brühe
qualmt und duftet,
für die er
vergnügt geschuftet.