Traumstadtkrieg

Traumstadtkrieg
*
In der Traumstadt hat 
man sich entschlossen:
"Jeder Feind im Umland 
wird erschossen!"
Feind ist jedermann, 
den es empört,
dass er nicht zum 
Traumstadtvolk gehört.
Man beschießt sie 
mit Traumstadtkanonen
weil die Gegner nicht 
wie Einheimische wohnen,
anders denken, sich 
ganz anders kleiden,
anders beten - 
und deswegen leiden -
leiden müssen, denn 
wer hier nicht passt,
wird zurecht verleumdet 
und gehasst.
Ganz am Ende ist 
man unter sich.
Und ernüchtert fragt 
man sicherlich:
"Haben diese Morde 
sich gelohnt?"
Denn das Land ist 
jetzt nicht mehr bewohnt.

Traumstadtphilosoph

Traumstadtphilosoph
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In der Traumstadt 
lebt ein Philosoph.
Hochbegabt, doch 
lebenspraktisch doof,
kann er seinen Alltag 
nicht bestehen.
Deshalb kann man ihn 
auch oftmals sehen,
wie er von 
perfekten Welten träumt
und das Leben 
ringsherum versäumt.
Weltentrückt in 
herrlichen Ideen,
kann er das Greifbare 
nicht verstehen,
stolpert durch die 
wunderbare Stadt,
deren Reichtum er 
noch nie beachtet hat.

Traumstadtgetränke

Traumstadtgetränke
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In der Traumstadt trinkt 
man gerne Gruselfusel,
denn man liebt den so 
bewirkten Fuseldusel
und das ti-, ta-, 
torkelige Schwanken
nach dem 
allerherrlichsten 
Betanken.
Hat man abends 
ordentlich getankt
und mit seiner 
Nachbarschaft gezankt,
kann man sich getrost 
wieder vertragen.
Das schont die 
Gemeinschaft und 
den Magen.

Sommerregen im Frühling

Sommerregen 
im Frühling
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In der Traumstadt 
hat etwas geregnet
und die Träumenden der 
Stadt damit gesegnet.
Denn sie träumten, 
dass es Sommer wär,
nicht nur irgendwie 
und ungefähr,
sondern heftig - mit 
besonders großer Hitze
und der Trockenheit 
in jeder kleinen Ritze.
Darum war der, wenn 
auch nur geträumte 
Sommerregen
für die ganze Stadt 
ein unverhoffter Segen.

Traumstadtfrühling

Traumstadtfrühling
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In der Traumstadt hat 
der Frühling grad begonnen.
Jedermann beschließt nun, 
sich zu sonnen
und die Sonnenwonne 
zu genießen,
während ringsherum die 
bunten Blümlein sprießen.

Nur das unbeliebte 
Schlechte-Laune-Kraut,
das verdrießlich aus 
dem Boden schaut,
hätt' es lieber kalt 
und wieder Schnee,
denn die pralle 
Sonne tut ihm weh.

Traumstadtstille

Traumstadtstille 
* 
In der Traumstadt 
ist es sehr beliebt,
so zu tun, als ob 
man sich nicht sieht.
Jedermann ist wirklich 
gern allein
und genießt es, 
unsichtbar zu sein.
Hier regiert eindeutig 
nur die Stille.
Jedermann ist gegen 
alles Schrille
und wer laut ist, 
wird ruckzuck geköpft.
Darum bleiben alle 
zugeknöpft,
schauen stumm nach 
oben in die Luft.
Wer die Regeln bricht, 
der ist ein Schuft
und muss dann für 
alle andern schuften
oder schnell aus 
dieser Stadt verduften.

Im Vestibül

Im Vestibül
*
Ein Gedicht 
im Vestibül:
"Warum ist es 
bloß so kühl?
Frühling lässt noch 
auf sich warten
nach dem kalten, 
langen, harten
Winter, der mich 
frieren ließ.
Ach, das 
Frühlingsparadies
will für uns noch 
nicht erscheinen!
Darum will ich 
reichlich weinen.
Meine Tränen 
fallen nieder
auf Schneeglöckchen, 
Krokus, Flieder,
dass das Wachsen 
schnell gelingt
und der Lenz sein 
Liedchen singt.

Momentum

Momentum
*
Der rechte 
Moment -
er wird 
niemals 
erscheinen.
Nimm einfach 
den nächsten.
Sonst findest 
du keinen.
Denn wer 
es erwartet -
das ganz 
große Glück -
weist alle 
die kleinen 
Momente 
zurück.

Lebensfreude

Lebensfreude
*
Was hat sich 
die Natur gedacht,
als sie sowas 
wie mich gemacht?
Im Schlaf träumte 
sie sicherlich
vom Sonnenschein 
und machte mich:
ein Tänzer-Schreiber-
Wundertier.
Geboren, stehe 
ich jetzt hier
und springe fröhlich 
in die Welt,
weil mir das 
Leben so gefällt.

Dankbar, dass sie 
mich ausgeheckt,
hab' ich das Glück 
der Welt entdeckt
und bin so durch 
und durch entzückt, 
weil mir der 
Frohsinn so geglückt.

Spieglein Spieglein

Spieglein, Spieglein
*
Wenn jeder Mensch 
schön wär,
wär keiner 
mehr schön,
denn jedermann 
würde
wie jeder 
ausseh'n.

Wer sich vor dem 
Diktat verneigt,
das jede 
Modezeitschrift zeigt,
merkt bald, wie er 
sich selber hasst,
weil er nicht 
in das Muster passt.

Nur, wer sich 
selber oft belog,
passt in das 
Bild vom Katalog.
Die Glitzerwelt 
ist dem verpönt,
der sich tagtäglich 
selber fönt.

Dem Hässlichen 
gehört die Welt,
weil er sich selbst 
für passend hält.
Wer will, dass 
keiner ihn vergisst,
zeigt allen, wie 
er wirklich ist,
denn wer den Mut 
zum Makel zeigt,
bei and'ren in 
der Achtung steigt.