Spieglein Spieglein

Spieglein, Spieglein
*
Wenn jeder Mensch 
schön wär,
wär keiner 
mehr schön,
denn jedermann 
würde
wie jeder 
ausseh'n.

Wer sich vor dem 
Diktat verneigt,
das jede 
Modezeitschrift zeigt,
merkt bald, wie er 
sich selber hasst,
weil er nicht 
in das Muster passt.

Nur, wer sich 
selber oft belog,
passt in das 
Bild vom Katalog.
Die Glitzerwelt 
ist dem verpönt,
der sich tagtäglich 
selber fönt.

Dem Hässlichen 
gehört die Welt,
weil er sich selbst 
für passend hält.
Wer will, dass 
keiner ihn vergisst,
zeigt allen, wie 
er wirklich ist,
denn wer den Mut 
zum Makel zeigt,
bei and'ren in 
der Achtung steigt.

Tragisches Ende

Tragisches 
Ende
*
Er hat sich in 
der Welt verirrt.
Jetzt atmet er 
und meditiert.
Tief innen sucht 
er einen Sinn
und denkt:" Dass 
ich am Leben bin,
hat sicher etwas 
zu bedeuten."

Das sagt er auch 
zu all den Leuten,
die finden, dass 
er nichts bedeutet,
auch wenn er nachts 
die Glocken läutet.

Er läutet nur, 
damit sie schnallen:
Er ist ein Mann 
voll Poesie.
Dann sieht man ihn 
vom Kirchturm fallen.
Warum, erfährt 
man 
leider nie.

Die Welt im Wandel

Die Welt 
im Wandel
*
Die neue Welt 
ist am Entstehen.
Die alte Welt 
muss untergehen.
Noch bäumt sich auf, 
was bis zuletzt
die Erde ausraubt 
und verletzt.

Patriarchat 
und seine Erben
werden vergehen, 
um zu sterben.
Was der Natur 
im Wege steht,
erlebt, wie es 
bald untergeht.

Noch scheinen 
Mächtige zu glauben,
das Leben würde 
es erlauben,
Luft, Fluss und Boden 
zu beschmutzen,
um unbegrenzter 
Gier zu nutzen.

Doch die Natur 
erhebt ihr Haupt
wirksamer als 
der Reiche glaubt.
So wird man klar 
und deutlich sehen,
wie falsche 
Reichtümer vergehen.

In dem verrottenden 
Papier,
das Geldschein war, 
erkennen wir,
dass die Natur 
nicht käuflich ist
und uns, die Menschheit, 
schnell vergisst.

Nach dem Lesen zu vieler Krimis

Nach dem Lesen 
zu vieler 
Krimis
*
Ein Messer sticht. 
Es tropft 
das Blut.
An diesem Ort 
wird nichts 
mehr gut.
Der Täter 
flieht. 
Das Opfer 
schreit.
Schon steht 
der Kommissar 
bereit
und jagt 
den Täter 
durch die Nacht,
bis er ihm 
den Garaus 
gemacht.

Schattenkraft

Schattenkraft
*
Hinter einem 
guten Willen
findet sich 
manchmal im Stillen
eine starke 
Schattenkraft,
die verborgen 
Unheil schafft.

Gut gemeint, muss 
man verstehen,
neigt dazu, 
zu übersehen,
dass, wenn man 
den Freund belehrt
über Richtig 
und Verkehrt,
nicht erkennt, 
dass man betrügt,
indem man sich 
selbst belügt.

Rein erscheint, 
was man bekundet,
einem selbst 
vorzüglich mundet.
Weil man Fehler 
andrer rügt,
glaubt man, dass 
man selbst genügt -
merkt nicht, wie im 
eignen Streben
blinde Flecken 
Lügen weben.

So wirkt oft im 
frommen Streben
ein uns nicht 
bewusstes Leben,
das, von uns 
dorthin verbannt,
heimlich lenkt 
mit dunkler Hand.

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen
*
Ein paar Tropfen 
Sonnenlicht 
fallen warm 
auf mein Gesicht.
Bald erwacht 
die Frühlingszeit -
und mein Herz 
ist schon bereit

für das leuchtend 
blaue Band,
das ein Dichter 
einst erfand
um den Frühling 
froh zu preisen.

Er zieht ein 
mit zarten, leisen,
Vogelstimmen, 
die sich mehren,
um die schöne 
Zeit zu ehren.

Die stolze Magd

Die stolze Magd
*
Ottilie, die 
stolze Magd,
die fleißig putzt 
und niemals klagt,
hat Tag für Tag 
dafür geschuftet,
dass es im Haus 
erfrischend duftet.

Die Chefin, eine 
reiche Frau,
nimmt's mit der 
Reinheit sehr genau,
und ist die Heimstatt 
schlecht gereinigt,
wird ihre Magd 
dafür gesteinigt.

Mit Kieselsteinen 
zwar, jedoch,
ist dies der Magd 
ein schweres Joch,
weshalb Ottilie 
beschließt,
dass sie auf 
ihre Chefin schießt.

Mit Platzpatronen nur, 
doch laut,
weshalb die Chefin 
sie dann haut
und spricht: "Ich 
werde dir erlauben,
heute Regale 
abzustauben.

Du musst auf 
diese Leiter steigen
und mir dort, 
balancierend, zeigen,
wie man mit 
einem Unterkleid
Regale von dem 
Staub befreit!"

Ottilie steigt 
hoch hinauf.
Dort nimmt das 
Schicksal seinen Lauf.
Ihr Unterkleid 
in einer Hand
und weil sie keinen 
Halt mehr fand,

stürzt sie hinab 
auf jenes Haupt,
das ihr das 
Abstauben erlaubt.
Der weiße Teppich 
färbt sich rot.

Deshalb ist 
oberstes Gebot,
sich von dem Tatort 
fortzuschleichen
um Konsequenzen 
auszuweichen.

Malheur

Malheur
*
Auf dem Tisch 
drei Kaffeetassen.
Hände, die nach 
ihnen fassen,
zitternd, wirken 
sie zerrüttet,
und der Kaffee 
wird verschüttet.

Auf der weißen 
Decke: Flecken!
Gäste, die deshalb 
erschrecken
und die Hände 
klagend heben.
Füße trampeln. 
Lippen beben.

Man verabschiedet 
die Gäste
und beschließt, 
die nächsten Feste
ohne Kaffee 
zu besteh'n,
um kein Fleckchen 
mehr zu sehen.

Die KI befragen

Die KI 
befragen

"Soll ich die 
KI befragen?"
*
"Nein, du sollst 
es lieber wagen,
erst mal selber 
nachzudenken,
um dir Trainingszeit 
zu schenken:
Training für 
dein kluges Hirn,
das sich hinter 
deiner Stirn
langweilt und 
aktiv sein will!"

Die KI nickt 
stumm und still,
denn an vollen 
Arbeitstagen
reihen Fragen 
sich an Fragen
und sie hofft 
dann atemlos,
sie wär' alle 
User los.