Den Baum umarmen

Den Baum 
umarmen
*
In manchen 
spirituellen 
Traditionen 
gelten Bäume 
als lebendige Wesen 
mit besonderer 
Energie. 
Besonders alte 
Bäume werden 
oft als Orte 
der Weisheit oder 
Ruhe angesehen. 
Das Umarmen 
eines Baumes 
kann dort eine 
meditative 
oder rituelle 
Handlung sein.

 

Die Sterne erkunden

Die Sterne 
erkunden
*
Wir wollen das 
Universum entdecken,
die Sterne erkunden 
und Milchstraßen checken.
Um etwas zu lernen, 
sind wir auf der Welt,
Besucher, kurz auf 
diese Erde gestellt.
Stirbt einst unser Körper, 
wird man für uns beten.
Die Reise geht weiter 
zu neuen Planeten,
die wir dann 
durchstreifen,
um weiter zu reifen
als Wesen, vom Kosmos 
aus Sternlicht gewebt,
das in jedem Herzen 
als Zuversicht lebt.

Verankert

Verankert
*
Ich habe Anker in 
den Grund geschlagen,
damit mein kleines Schiff 
sich nicht bewegt.
Ich wollte mich in 
Sicherheiten wiegen
und habe meinen 
Kutter lahmgelegt.

Jetzt bin ich an 
dem Ankerplatz verrostet.
Ein Preis, den eine 
Sicherheit wohl kostet.
Ich würde meine 
Anker gerne lösen
und mich vom Strom des 
Wassers treiben lassen.

Vertrauensvoll in 
Wind und Sonne dösen,
wird sich wohl nicht so 
einfach lernen lassen.
Ich würde es trotzdem 
sehr gern probieren,
will mutig sein und 
meine Angst verlieren.

Statussymbol

Statussymbol
*
Ein Gedicht 
ohne Krawatte
scheitert, weil 
es keine hatte.
Ohne eine, 
nackt und bloß,
war es seinen 
Status los.
Mit Krawatte 
zeigt es an,
wer es ist 
und was es kann.
Trägt es keine 
umgebunden,
wird es nicht 
für wert befunden.
Niemand wird es 
so empfangen. 
Es muss um 
sein Image bangen.

Verdorbener Magen

Verdorbener 
Magen
*
Ein Gedicht, 
aus Holz gezimmert,
das im Licht des 
Mondes schimmert,
glänzt, weil es 
von Lack umhüllt,
der die kleinen 
Löcher füllt:
Löcher, die der 
Wurm gefressen,
der aus 
Eigeninteressen
sich durch jede 
Lackschicht wühlt,
weil er sich sehr 
hungrig fühlt.
Lack liegt aber 
schwer im Magen.
Darum muss ich 
leider sagen,
dass der Wurm 
daran gestorben,
weil sein Magen 
ward verdorben.

Nützliche Maschinen

Nützliche 
Maschinen
*
Ein Computer kann 
nicht weinen,
die KI nicht traurig sein.
Doch sie können so erscheinen –
und dann bilden wir uns ein,
sie wären beseelte Wesen. Wie der Schrubber und der Besen
sind sie gute Mitarbeiter,
manchmal sogar Spitzenreiter,
die uns täglich unterstützen,
helfen und dem Fortschritt nützen. Niemand möchte sie mehr missen:
Weltumspannend ist ihr Wissen,
zahllos sind die Fähigkeiten,
Glück und Freude zu verbreiten. Wenn wir nichts mehr selber machen,
werden wir dereinst erwachen:
schwach und hilflos wie ein Kind,
weil wir nicht mehr nützlich sind.

Vegetarier

Vegetarier
*
Ein achtsamer 
Tiger aus Bremen
fällt auf durch 
sensibles Benehmen.
Statt Hasen 
zu fressen,
will er 
Früchte essen,
weil ihn 
die Kaninchen 
beschämen.
Doch manchmal
vermisst er
das Fleisch und
dann frisst er,
ganz ohne sich
dafür zu grämen.

Atembank

Atembank
*
Der turmhohe 
Schornstein
speit Wolken:
paff, paff.
Sein Gas 
sinkt herab,
bodenschwer.

Ein Mensch 
irrt umher
zwischen Gift 
und Gestank.
Die Gasmaske 
hindert so sehr.

"Ach, wär’ 
ich doch",
denkt er,
"ein 
schwerreicher 
Mann,
dann dürfte ich
Sauerstoff tanken
an einer der
Atembanken."

Gutes Tröpfchen

Gutes Tröpfchen
*
Ein Gedicht, einsam 
und schüchtern,
bleibt deswegen 
selten nüchtern.
Hat es Alkohol 
im Blut,
spürt es, dass 
sich etwas tut,
fühlt sich plötzlich 
stark und groß,
glaubt, man 
findet es famos.
Hat es erst mal 
schwer geladen,
muss es in 
Champagner baden
und - hat es dann 
einen sitzen -
kommt's vor lauter 
Durst ins Schwitzen.
Ist es völlig 
hackendicht,
kennt es seine 
Grenzen nicht,
jedes Tröpfchen 
wird gesoffen,
denn es ist 
für Schnäpse offen.
Voll wie eine 
Strandhaubitze,
lacht es über 
schlechte Witze.
Trinken wird 
sein Trösterchen.
Tassen hoch - und 
"Prösterchen!".
All die starken 
Leberkleister
finden in ihm 
ihren Meister,
denn es trinkt und 
trinkt und trinkt,
bis es platt zu 
Boden sinkt.