Den Geist stimmen

Den Geist stimmen
*
Wenn uns jemand freundlich 
betrachtet oder anlächelt, 
reagieren wir erfreut – 
meistens jedenfalls. 
Auch die Erinnerung 
an eine solche Begegnung 
kann angenehme Empfindungen 
in uns auslösen. 
Auf die gleiche Weise lässt 
unser Geist-Gehirn-System 
positive Gefühle entstehen, 
wenn wir uns vorstellen, 
dass uns jemand freundlich 
begegnen wird.
 Unsere Erwartungen, verbunden mit 
unserer Vorstellungskraft, 
können also angenehme wie auch 
unangenehme Zustände hervorrufen.
Wenn ich mich häufig mit negativen 
Erwartungen beschäftige 
oder mich immer wieder an 
unangenehme Situationen erinnere, 
wird mein Geist-Gehirn-System 
diese Gefühlsfärbung übernehmen. 
Umgekehrt kann die Vorstellung 
erfreulicher Erlebnisse – 
etwa ausgelöst durch eine 
Szene in einem Buch – 
eine positive Grundstimmung 
in mir entstehen lassen, 
unabhängig davon, wie realistisch 
diese inneren Bilder sind.
 

Giftige Ideale

Giftige Ideale
*
Ideale können schädlich sein.
Sie sind Vorstellungen, auf die wir uns zubewegen können, aber sie sind nicht die Realität. Wenn wir glauben, wir oder die Welt müssten hier und jetzt dem Idealbild entsprechen, kann das Mutlosigkeit und Frustration erzeugen. Noch problematischer wird es, wenn Ideale die Sicht auf das Leben und andere Menschen vergiften – etwa dann, wenn wir annehmen, wir hätten diese Ideale bereits erreicht und seien dadurch besser als diejenigen, die diese „Ideale“ (noch) nicht verwirklicht haben. In den Händen von Religionsgemeinschaften können Ideale zu einer gefährlichen Waffe werden: Sie können genutzt werden, um andere Menschen auszugrenzen und die Mitglieder der Gemeinschaft zu manipulieren.

Idealismus

Idealismus
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Wir können uns eine Welt 
vorstellen, in der Gerechtigkeit, 
Freiheit und ein friedliches 
Miteinander angestrebt werden. 
Ein solches Leitbild oder Ideal kann 
in der Realität möglicherweise 
nie ganz erreicht werden. 
Trotzdem ist es wichtig, 
solche Zielvorstellungen 
in der Fantasie zu bewegen 
und davon zu träumen. 
Je mehr Menschen von einer 
solchen Welt träumen, 
desto größer ist 
die Wahrscheinlichkeit, 
dass sie eines Tages 
Wirklichkeit werden kann. 
Jede Zukunft begann 
mit einem Traum. 
Die Kraft der Imagination 
ist unermesslich.

Hoffnung

Hoffnung
*
Hoffnung ist die Fähigkeit, 
sich für die Zukunft einen 
besseren Zustand vorzustellen 
als den jetzigen.
Was wären wir ohne unsere Vorstellungskraft? Jede Musik entsteht zunächst in der Fantasie des Komponisten.
Jede Geschichte lebt zunächst in der Vorstellungswelt des Dichters.
Eine Brücke wird gebaut aus der Sehnsucht heraus, auf die andere Seite des Flusses oder der Schlucht zu gelangen.
Die Vorstellungskraft des Menschen ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem wir unsere Zukunft auf die eine oder andere Weise erschaffen. Wenn wir sie nicht bewusst nutzen, wird sie zum ausführenden Organ unbewusster Impulse, die eine Wirklichkeit erschaffen, die wir bewusst niemals wählen würden.

The Keeper of the Clod

The Keeper of the Clod
*
How can I save 
the tiny worm
that wanders 
through the clod?
Insignificant 
in wind and storm,
yet working 
tasks of God.

So small he seems 
upon the ground,
still faithful, 
day and night.
No better servant 
has been found,
nor one more 
pure in sight.

Flower’s best friend

Flower's best friend
*
My garden is home 
to a flower
that doesn’t like each rainy shower.
That’s why I have planted "umbrella"
that became my flower’s best fella.

Lippen-Magen-Darm-Express

Lippen-Magen-
Darm-Express
*
Der Darm des Patienten ist beleidigt.
Die Operationstorturen haben ihn zum
Schweigen gebracht. Nichts rührt sich mehr
im geschwollenen Bauch. Der Patient erinnert sich, dass von den Lippen bis zum Anus alles miteinander
verbunden ist wie ein langer Schlauch,

der sich durch den Körper zieht. Also beginnt er oben, bei den Lippen,
massiert sie, leckt sie ab und lässt die Zunge
im Mund kreisen, um Speichel zu erzeugen.
„Das Umrühren des großen Meeres“ heißt die Übung.

Aufs Töpfchen gehen

 

Aufs Töpfchen gehen
*
Pipi machen mit 
aufgeblähtem Bauch
erweist sich ebenfalls 
als Problem.
Zur Toilette gehen ist 
jedenfalls keine Option.
Daher muss der Patient
auf das Töpfchen, 
das sich
in einem Stuhl 
auf Rädern befindet.
Als die Nachtschwester 
in den seit
längerer Zeit nicht 
geleerten Topf blickt,
der beinahe überschwappt,
entweicht ihr 
ein erstauntes 
"Oooooh!"


Die Luft muss raus

Die Luft muss raus

Die Luft, die sich im Bauch
des Patienten befindet,
weiß nicht, wie sie
den Ausgang finden soll. Sie wandert umher,
stößt an Darmwindungen,
klopft an den Magen,
lauscht den Geräuschen
des Krankenhauses –
Infusionstropfen,
Schritttempo der Pflegerin,
das Summen des Kühlschranks. Der Patient indes hebt
ein Bein, dann das andere,
dreht sich halb,
verknotet sich fast,
und hofft, die Schwerkraft
möge diesmal mit ihm sein. Ein leises Glucksen –
ein falscher Alarm.
Dann wieder Stille,
nur sein Atem,
flach und vorsichtig,
wie ein Ballon,
der nicht platzen darf. Er denkt an Yogameister,
die im Lotussitz
Leichtigkeit atmen,
und fühlt sich stattdessen
wie ein gestrandeter Wal,
der die Erleuchtung
durch Pupsen sucht. Die Luft bleibt.
Vielleicht wartet sie
auf den richtigen Moment,
einen kleinen Sieg,
ein Lachen,
das den Weg freigibt.

 

Nahrungsaufnahme

Nahrungsaufnahme
*
Der Patient wurde 
inzwischen operiert
und soll nun für 
die Nahrungsaufnahme
vorbereitet werden.
Das Problem ist jedoch,
dass die während des Eingriffs 
in den Bauch gepumpte Luft
nicht ohne Weiteres
entweichen kann.
Dadurch bleibt der 
Bauch aufgebläht -
der Patient sieht fast aus 
wie ein Walfisch.
Also müssen die Brötchen
durch den Infusionsschlauch.