Traumstadtstille

Traumstadtstille 
* 
In der Traumstadt 
ist es sehr beliebt,
so zu tun, als ob 
man sich nicht sieht.
Jedermann ist wirklich 
gern allein
und genießt es, 
unsichtbar zu sein.
Hier regiert eindeutig 
nur die Stille.
Jedermann ist gegen 
alles Schrille
und wer laut ist, 
wird ruckzuck geköpft.
Darum bleiben alle 
zugeknöpft,
schauen stumm nach 
oben in die Luft.
Wer die Regeln bricht, 
der ist ein Schuft
und muss dann für 
alle andern schuften
oder schnell aus 
dieser Stadt verduften.

Im Vestibül

Im Vestibül
*
Ein Gedicht 
im Vestibül:
"Warum ist es 
bloß so kühl?
Frühling lässt noch 
auf sich warten
nach dem kalten, 
langen, harten
Winter, der mich 
frieren ließ.
Ach, das 
Frühlingsparadies
will für uns noch 
nicht erscheinen!
Darum will ich 
reichlich weinen.
Meine Tränen 
fallen nieder
auf Schneeglöckchen, 
Krokus, Flieder,
dass das Wachsen 
schnell gelingt
und der Lenz sein 
Liedchen singt.

Momentum

Momentum
*
Der rechte 
Moment -
er wird 
niemals 
erscheinen.
Nimm einfach 
den nächsten.
Sonst findest 
du keinen.
Denn wer 
es erwartet -
das ganz 
große Glück -
weist alle 
die kleinen 
Momente 
zurück.

Lebensfreude

Lebensfreude
*
Was hat sich 
die Natur gedacht,
als sie sowas 
wie mich gemacht?
Im Schlaf träumte 
sie sicherlich
vom Sonnenschein 
und machte mich:
ein Tänzer-Schreiber-
Wundertier.
Geboren, stehe 
ich jetzt hier
und springe fröhlich 
in die Welt,
weil mir das 
Leben so gefällt.

Dankbar, dass sie 
mich ausgeheckt,
hab' ich das Glück 
der Welt entdeckt
und bin so durch 
und durch entzückt, 
weil mir der 
Frohsinn so geglückt.

Spieglein Spieglein

Spieglein, Spieglein
*
Wenn jeder Mensch 
schön wär,
wär keiner 
mehr schön,
denn jedermann 
würde
wie jeder 
ausseh'n.

Wer sich vor dem 
Diktat verneigt,
das jede 
Modezeitschrift zeigt,
merkt bald, wie er 
sich selber hasst,
weil er nicht 
in das Muster passt.

Nur, wer sich 
selber oft belog,
passt in das 
Bild vom Katalog.
Die Glitzerwelt 
ist dem verpönt,
der sich tagtäglich 
selber fönt.

Dem Hässlichen 
gehört die Welt,
weil er sich selbst 
für passend hält.
Wer will, dass 
keiner ihn vergisst,
zeigt allen, wie 
er wirklich ist,
denn wer den Mut 
zum Makel zeigt,
bei and'ren in 
der Achtung steigt.

Tragisches Ende

Tragisches 
Ende
*
Er hat sich in 
der Welt verirrt.
Jetzt atmet er 
und meditiert.
Tief innen sucht 
er einen Sinn
und denkt:" Dass 
ich am Leben bin,
hat sicher etwas 
zu bedeuten."

Das sagt er auch 
zu all den Leuten,
die finden, dass 
er nichts bedeutet,
auch wenn er nachts 
die Glocken läutet.

Er läutet nur, 
damit sie schnallen:
Er ist ein Mann 
voll Poesie.
Dann sieht man ihn 
vom Kirchturm fallen.
Warum, erfährt 
man 
leider nie.

Die Welt im Wandel

Die Welt 
im Wandel
*
Die neue Welt 
ist am Entstehen.
Die alte Welt 
muss untergehen.
Noch bäumt sich auf, 
was bis zuletzt
die Erde ausraubt 
und verletzt.

Patriarchat 
und seine Erben
werden vergehen, 
um zu sterben.
Was der Natur 
im Wege steht,
erlebt, wie es 
bald untergeht.

Noch scheinen 
Mächtige zu glauben,
das Leben würde 
es erlauben,
Luft, Fluss und Boden 
zu beschmutzen,
um unbegrenzter 
Gier zu nutzen.

Doch die Natur 
erhebt ihr Haupt
wirksamer als 
der Reiche glaubt.
So wird man klar 
und deutlich sehen,
wie falsche 
Reichtümer vergehen.

In dem verrottenden 
Papier,
das Geldschein war, 
erkennen wir,
dass die Natur 
nicht käuflich ist
und uns, die Menschheit, 
schnell vergisst.

Nach dem Lesen zu vieler Krimis

Nach dem Lesen 
zu vieler 
Krimis
*
Ein Messer sticht. 
Es tropft 
das Blut.
An diesem Ort 
wird nichts 
mehr gut.
Der Täter 
flieht. 
Das Opfer 
schreit.
Schon steht 
der Kommissar 
bereit
und jagt 
den Täter 
durch die Nacht,
bis er ihm 
den Garaus 
gemacht.

Schattenkraft

Schattenkraft
*
Hinter einem 
guten Willen
findet sich 
manchmal im Stillen
eine starke 
Schattenkraft,
die verborgen 
Unheil schafft.

Gut gemeint, muss 
man verstehen,
neigt dazu, 
zu übersehen,
dass, wenn man 
den Freund belehrt
über Richtig 
und Verkehrt,
nicht erkennt, 
dass man betrügt,
indem man sich 
selbst belügt.

Rein erscheint, 
was man bekundet,
einem selbst 
vorzüglich mundet.
Weil man Fehler 
andrer rügt,
glaubt man, dass 
man selbst genügt -
merkt nicht, wie im 
eignen Streben
blinde Flecken 
Lügen weben.

So wirkt oft im 
frommen Streben
ein uns nicht 
bewusstes Leben,
das, von uns 
dorthin verbannt,
heimlich lenkt 
mit dunkler Hand.

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen
*
Ein paar Tropfen 
Sonnenlicht 
fallen warm 
auf mein Gesicht.
Bald erwacht 
die Frühlingszeit -
und mein Herz 
ist schon bereit

für das leuchtend 
blaue Band,
das ein Dichter 
einst erfand
um den Frühling 
froh zu preisen.

Er zieht ein 
mit zarten, leisen,
Vogelstimmen, 
die sich mehren,
um die schöne 
Zeit zu ehren.