Eine Rolltreppe rumort

Eine 
Rolltreppe 
rumort
*
Ich bin eine 
rollende Treppe.
Als Rolltreppe 
schufte und schleppe
ich Kunden und 
garstige Waren.

Die Käufer, sie 
kommen in Scharen
und fahren die 
Kaufhausetagen hinauf
mit Hoffnung auf 
einen beglückenden Kauf.

Ich könnte ein 
Lied davon singen,
wie sie mit 
eroberten Dingen
auf meinen Stufen 
abwärts stürzen,
um ihren Heimweg 
zu verkürzen.

Für sie rolle ich 
rauf und runter.
Mich fragt keiner: 
"Bist du auch munter?"
Sind abends die 
Läden geschlossen,
dann bin ich vom 
Rollen erschossen.

Mich fragt keiner: 
"Geht es dir gut?"
Darum packt mich 
manchmal die Wut.
Dann träum ich davon, 
dieses Haus zu verlassen
und es mir dort draußen 
gut gehen zu lassen.
Ich rolle nur dahin, 
wo es mir gefällt -
in Freiheit - das 
Köstlichste auf 
dieser Welt.

Schattenkompass

Schattenkompass
*
Der Schatten, den 
ich einmal hatte,
verhinderte, dass 
ich ermatte.
Er schützte 
Körper und Gesicht
stets wirksam vor 
dem Sonnenlicht.
Inzwischen bin 
ich schattenlos.
Wohin verschwand 
mein Schatten bloß?
War er erbost, 
dass ich ihn warf,
so je nach Laune 
und Bedarf?
Ist es verkehrt, 
Schatten zu werfen?
Die Lage wird sich 
noch verschärfen,
denn seit ich 
ohne Schatten bin,
weiß ich nicht mehr, 
woher, wohin,
weiß nicht, wo grad 
die Sonne steht
und wohin es 
jetzt weitergeht.
Mir fehlt der Kompass 
für die Sichtung
der mir noch 
unbekannten Richtung.
Erst wenn er nicht 
mehr sichtbar ist,
merkt man, wie sehr 
man ihn vermisst.

Tick-Tack-Taktik

Tick-Tack
-Taktik
*
Pro Sekunde mach 
ich Tick-Tack.
Dieses monotone 
Hick-Hack
raubt mir langsam 
meine Nerven
statt mir den 
Verstand zu schärfen.
Diese Arbeit 
ist für mich
viel zu einfach. 
Sicherlich.
Sie ist unter 
meiner Würde,
lästig, wird sie 
mir zur Bürde.
Ich beschließe 
eine Taktik:
anstatt Tick-Tack 
mach ich Tack-Tick,
um die Zeit 
zurückzudrehen.
Manchmal will ich 
rückwärts gehen.
Plötzlich aber 
wieder vor.
Das ist meine 
Art Humor,
um die Menschen 
zu verwirren,
damit sie sich 
zeitlich irren.
Ich bekunde, 
wenn auch spät:
Individualität

 

Profil

Jürgen Ambros – 
Wortakrobat, 
Geschichtenerfinder 
und Tanzpädagoge
*
Ob mit dem Stift 
auf dem Papier, 
mit den Füßen 
auf dem Tanzparkett 
oder mit Programmiercode 
auf dem Bildschirm: 
Ich liebe es, Ideen 
zum Leben zu erwecken 
und Menschen in 
Bewegung zu bringen.

Mein Weg ist so vielfältig 
wie die Gedichte, 
die ich schreibe. 

Als Autor, Dozent 
und Tanzlehrer 
bewege ich mich seit 
vielen Jahren an der 
Schnittstelle von 
Phantasie, Rhythmus und 
Bewusstsein durch Bewegung. 

Für mich ist das kein 
Widerspruch, sondern 
dieselbe Schöpferkraft – 
nur in 
unterschiedlichen Formen.

Was mich antreibt:
Die Macht der Worte: 

In meinen Büchern 
und Gedichten – 
von kulinarischer 
Poesie über Kinderbücher 
bis hin zu phantastischen 
Tier-Fabeln – 
spüre ich den feinen 
Zwischentönen des 
Lebens nach.

Die Magie des Moments: 
In meinen Tanz- und 
Bewegungskursen (u. a. 
an der VHS Düsseldorf) 
lade ich Menschen ein, 
den Kopf frei zu bekommen, 
Rhythmus zu spüren und 
Lebensfreude neu 
zu entdecken.

Die Freude am Erschaffen: 

In der Schreibwerkstatt 
PencilDancing begleite ich 
Autoren dabei, ihren 
eigenen kreativen Ausdruck 
zu finden und ungehemmt 
Rohmaterial für neue 
Geschichten zu weben.
„PencilDancing steht für 
das Gefühl, den Stift 
leicht über das Papier 
tanzen zu lassen –
frei von Blockaden, 
voller Neugier 
und mit der Bereitschaft, 
sich von der eigenen 
Phantasie 
überraschen zu lassen.“

Wenn ich nicht gerade an 
neuen Versen feile oder 
Tanzschritte übe, 
versuche ich, 
Videospiele zu 
programmieren – 
denn der 
Spieltrieb ist für 
mich der beste 
Treibstoff für den Geist.
Gymnastiklehrer
(Dore-Jacobs-Schule)
Atem-, Sprech- und Stimmlehrer
(Schule Schlaffhorst-Andersen)
Tanzpädagoge
(Bundesverband Seniorentanz)

Gequältes Q

Gequältes Q
*
Obwohl es fast 
am Ende steht,
das Q ist 
eine Rarität.
Selten benutzt,
in Quarantänen,
denkt es manchmal:
"Es ist zum Gähnen!
Ich bin ein Q! 
Nicht oft geliebt.
Warum es mich 
als Q wohl gibt?
Liegt es an 
meiner Qualität
als Querkopf? 
Denn von früh bis spät
steh ich als 
Quatschquelle bereit:
ein Quotenlaut 
mit Seltenheit.
Ich quirle, quietsche, 
quetsche gern.
Deshalb hat mich 
so mancher gern,
um ein Gequassel 
zu quittieren
statt sich im 
Schweigen 
zu verlieren.
Stolz bin ich auf 
die Seltenheit.
Doch bin ich nicht 
davor gefeit,
unnütz im Alphabet 
zu steh'n,
bevor mich 
kluge Leser seh'n.
Zum Schluss deshalb 
noch ohne Hast
ein Quallenwinken 
mit dem Quast.



Gelangweilte Ampel

 

Gelangweilte Ampel
*
Man kann mich 
tagtäglich sehen,
denn man zwingt mich, 
hier zu stehen
für die Ordnung 
im Verkehr. 
Glaubt mir, das 
ist ziemlich schwer.
Rot, Gelb, Grün. 
Mehr hab ich nicht.
Rot steht mir 
nicht zu Gesicht.
Gelbe Farbe 
macht mich blass,
weshalb ich das 
Gelbsein hass.
Darum schalte 
ich ganz kühn
meine Lichter 
meist auf Grün.
Alle Seiten 
geben Gas.
Ach, was für 
ein großer Spaß,
wenn sich plötzlich 
alles ballt
und dann 
aufeinanderknallt.
Nur dadurch 
erträgt man eben
langweiliges 
Ampelleben.