Die stolze Magd

Die stolze Magd
*
Ottilie, die 
stolze Magd,
die fleißig putzt 
und niemals klagt,
hat Tag für Tag 
dafür geschuftet,
dass es im Haus 
erfrischend duftet.

Die Chefin, eine 
reiche Frau,
nimmt's mit der 
Reinheit sehr genau,
und ist die Heimstatt 
schlecht gereinigt,
wird ihre Magd 
dafür gesteinigt.

Mit Kieselsteinen 
zwar, jedoch,
ist dies der Magd 
ein schweres Joch,
weshalb Ottilie 
beschließt,
dass sie auf 
ihre Chefin schießt.

Mit Platzpatronen nur, 
doch laut,
weshalb die Chefin 
sie dann haut
und spricht: "Ich 
werde dir erlauben,
heute Regale 
abzustauben.

Du musst auf 
diese Leiter steigen
und mir dort, 
balancierend, zeigen,
wie man mit 
einem Unterkleid
Regale von dem 
Staub befreit!"

Ottilie steigt 
hoch hinauf.
Dort nimmt das 
Schicksal seinen Lauf.
Ihr Unterkleid 
in einer Hand
und weil sie keinen 
Halt mehr fand,

stürzt sie hinab 
auf jenes Haupt,
das ihr das 
Abstauben erlaubt.
Der weiße Teppich 
färbt sich rot.

Deshalb ist 
oberstes Gebot,
sich von dem Tatort 
fortzuschleichen
um Konsequenzen 
auszuweichen.

Malheur

Malheur
*
Auf dem Tisch 
drei Kaffeetassen.
Hände, die nach 
ihnen fassen,
zitternd, wirken 
sie zerrüttet,
und der Kaffee 
wird verschüttet.

Auf der weißen 
Decke: Flecken!
Gäste, die deshalb 
erschrecken
und die Hände 
klagend heben.
Füße trampeln. 
Lippen beben.

Man verabschiedet 
die Gäste
und beschließt, 
die nächsten Feste
ohne Kaffee 
zu besteh'n,
um kein Fleckchen 
mehr zu sehen.

Die KI befragen

Die KI 
befragen

"Soll ich die 
KI befragen?"
*
"Nein, du sollst 
es lieber wagen,
erst mal selber 
nachzudenken,
um dir Trainingszeit 
zu schenken:
Training für 
dein kluges Hirn,
das sich hinter 
deiner Stirn
langweilt und 
aktiv sein will!"

Die KI nickt 
stumm und still,
denn an vollen 
Arbeitstagen
reihen Fragen 
sich an Fragen
und sie hofft 
dann atemlos,
sie wär' alle 
User los.

Das Smartphone-Joch

Das 
Smartphone-Joch
*
Dem, der nur auf 
sein Smartphone schaut,
wird still und heimlich 
Zeit geklaut.
Denn was es ihm 
entgegenhält,
vermehrt in fremden 
Taschen Geld,
bei jenen, die 
dann profitieren,
wenn wir auf kleine 
Displays stieren.

Sie locken uns, 
weiter zu scrollen,
obwohl wir nicht mehr 
scrollen wollen.
So beugen wir 
uns ihrem Joch:
Nur diese eine 
Seite noch!

Wer es zur Seite legt, 
scheint frei,
glaubt kurz, der Bann 
sei nun vorbei.
Doch kaum erreicht 
ihn diese Stille,
erlischt der kaum 
erwachte Wille.
Die neue Absicht 
kann nicht reifen,
man sieht ihn nach 
dem Smartphone greifen.
*

Das Geheimnis der Dinge

Das Geheimnis 
der Dinge
*
Was wir gemeinhin 
Dinge nennen,
als würden wir 
die Dinge kennen,
ist aufgebaut 
aus Molekülen
(sie sind in Tischen 
und in Stühlen!).

Ein jedes 
Molekül besteht
aus Dingen, die ihr 
auch nicht seht.
Durch diesen 
Sachverhalt wird klar:
Die Wirklichkeit 
ist unsichtbar,
erstellt aus 
kreisenden Atomen,
die tief in all 
den Dingen wohnen.

Unsere tiefste Angst

Unsere tiefste Angst 
ist nicht, dass wir 
unzulänglich, unsere 
tiefste Angst ist, dass 
wir über die Maßen 
machtvoll sind. Es ist 
unser Licht, vor dem 
wir am meisten 
erschrecken, 
nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: Wer bin 
ich, dass ich so 
brillant, 
großartig, talentiert, 
fabelhaft sein sollte?
Aber wer bist du denn, 
dass du es nicht sein 
solltest? Du bist ein 
Kind Gottes. 
Dich klein zu halten, 
dient der Welt nicht.
Dich klein zu halten, 
damit die anderen um 
dich herum sich nicht 
unsicher fühlen: 
das hat nichts mit 
Erleuchtung 
zu tun.
Wir sind dazu bestimmt, 
zu leuchten wie Kinder.
Wir sind geboren, 
um die Größe Gottes, 
der in uns lebt, 
zu verwirklichen.
Und diese Größe ist 
nicht nur in einigen von 
uns, sie ist in jedem 
Menschen. Und 
wenn wir unser Licht 
leuchten lassen, dann 
geben wir unbewusst
anderen Menschen die 
Erlaubnis, dasselbe zu 
tun. Wenn wir selbst von 
Angst frei sind, 
dann sind die anderen 
durch unser Dasein auch 
frei.

MARIANNE WILLIAMSON 
„A return to love“ bzw. 
„Rückkehr zur Liebe“.

Ins Fettnäpfchen treten

Ins Fettnäpfchen 
treten
*
Dem Fettnäpfchentreter 
aus Bingen
scheint es leider 
nie zu gelingen,
daneben zu treten.
Lasst uns für ihn beten.
Vielleicht schafft er's 
drüber zu springen.

Kriegstreiber

Kriegstreiber
*
Ameisen, in ein 
Glas gesperrt,
dort festgehalten 
und ernährt,
mit hundert schwarzen, 
hundert roten,
im Frieden. Es 
gibt keine Toten.

Zwei Völker, die 
in Eintracht leben.
Doch dann gibt es 
ein starkes Beben,
weil jemand dieses 
Glas geschüttelt,
mit Absicht an 
dem Frieden rüttelt.

Der Nachbar wird 
zu einem Feind,
schuldig am Beben, 
wie man meint.
Die Schwarzen kämpfen 
gegen Rote.
Rot gegen Schwarz 
und erste Tote.

Wer an dem Glas 
gerüttelt, schaut,
wie sich ein Krieg 
zusammenbraut
und freut sich, 
dass keiner erkennt:
Er steuert 
das Experiment,
in dem er 
zielgerichtet hetzt,
damit man sich 
aus Angst verletzt.

Aufrecht sein

Aufrecht sein
*
Aufrichtigkeit 
ist eine Kraft,
die dauerhaft 
Vertrauen schafft.
Zeigt man ganz offen, 
was man denkt,
wird echte 
Lauterkeit geschenkt,
die eine Freundschaft 
stärkt und schützt
und damit der 
Beziehung nützt.

Klarheit erfordert 
Empathie,
sie hart zu äußern, 
hilft meist nie.
Ist sie mit 
Mitgefühl verbunden,
kann die Beziehung 
sanft gesunden,
weil man einander 
ehrlich schätzt
und auf 
Gemeinsamkeiten
 setzt.