Auf der Erde gelandet

Auf der Erde gelandet
*
Bei meiner Wanderung durch
das Universum bin ich auf der
Erde gelandet. Ein vorübergehender
Aufenthalt, für den ich den
Körper eines Menschen gewählt habe.
Ich hätte auch ein Pferd oder
ein Esel werden können, aber
für mein Ziel war ein
Menschenkörper das geeignetste 
Fahrzeug, um eine Lebenszeit
auf der Erde zu verbringen.
Denn: Ich will Romane und
Gedichte schreiben, um den
Menschen die Einsicht zu
vermitteln, dass ihr kurzes 
Erdenleben nur ein kleiner 
Abschnitt einer viel 
weitreichenderen, endlosen Reise 
ist, die sie durch
ihr Handeln, Denken und Fühlen
immerzu neu erschaffen.
Die Gedanken sind die
Bausteine der zukünftigen
Welt, in der sie leben
werden. Jetzt glauben sie
noch, dass ihr Schicksal 
ihnen grundlos widerfährt.
Doch dann werden sie erkennen,
dass sie selbst es sind,
die das Schicksal erschaffen
und meistern. 

(KI-generiertes Bild)

 

Eine Rolltreppe rumort

Eine 
Rolltreppe 
rumort
*
Ich bin eine 
rollende Treppe.
Als Rolltreppe 
schufte und schleppe
ich Kunden und 
garstige Waren.

Die Käufer, sie 
kommen in Scharen
und fahren die 
Kaufhausetagen hinauf
mit Hoffnung auf 
einen beglückenden Kauf.

Ich könnte ein 
Lied davon singen,
wie sie mit 
eroberten Dingen
auf meinen Stufen 
abwärts stürzen,
um ihren Heimweg 
zu verkürzen.

Für sie rolle ich 
rauf und runter.
Mich fragt keiner: 
"Bist du auch munter?"
Sind abends die 
Läden geschlossen,
dann bin ich vom 
Rollen erschossen.

Mich fragt keiner: 
"Geht es dir gut?"
Darum packt mich 
manchmal die Wut.
Dann träum ich davon, 
dieses Haus zu verlassen
und es mir dort draußen 
gut gehen zu lassen.
Ich rolle nur dahin, 
wo es mir gefällt -
in Freiheit - das 
Köstlichste auf 
dieser Welt.

Schattenkompass

Schattenkompass
*
Der Schatten, den 
ich einmal hatte,
verhinderte, dass 
ich ermatte.
Er schützte 
Körper und Gesicht
stets wirksam vor 
dem Sonnenlicht.
Inzwischen bin 
ich schattenlos.
Wohin verschwand 
mein Schatten bloß?
War er erbost, 
dass ich ihn warf,
so je nach Laune 
und Bedarf?
Ist es verkehrt, 
Schatten zu werfen?
Die Lage wird sich 
noch verschärfen,
denn seit ich 
ohne Schatten bin,
weiß ich nicht mehr, 
woher, wohin,
weiß nicht, wo grad 
die Sonne steht
und wohin es 
jetzt weitergeht.
Mir fehlt der Kompass 
für die Sichtung
der mir noch 
unbekannten Richtung.
Erst wenn er nicht 
mehr sichtbar ist,
merkt man, wie sehr 
man ihn vermisst.