Der Gehirn-Palast

Der 
Gehirn-Palast
*
Hinter jeder 
Denkerstirn
schwimmt, gepolstert, 
ein Gehirn,
wird von Knochen 
gut geschützt,
was im Alltag 
hilft und nützt.

Unser Großhirn 
thront hoch oben
und es ist dafür 
zu loben,
dass es denkt und 
schafft und lacht
und aus Träumen 
Pläne macht.

Ganz zentral 
und mittendrin
prüft das Zwischenhirn 
mit Sinn,
ob man weint, schimpft 
oder lacht.
Hier wird das 
Gefühl "gemacht".

Ein Stück tiefer, 
fast versteckt,
wird das Kleinhirn 
nun entdeckt,
lenkt motorische 
Erregung,
mit entsprechender 
Bewegung.

Nun kommt noch 
das Fundament,
das Herz, Puls 
und Atmung kennt,
das sich 
automatisch steuert
und die 
Energie erneuert.

So schafft dieses 
Team im Kopf
unter jedem 
Menschen-Schopf
Ordnung für 
die Lebenszeit
jederzeit für 
uns bereit.

Wunscherfüllender Karton

Wunscherfüllender 
Karton
*
Dies Gedicht 
ist ein Karton,
prall gefüllt mit 
Wunschgeschenken.
Was da drin ist, 
wisst ihr schon,
oder ihr könnt 
es euch denken.
Jeder kriegt, 
was ihm gebührt
und lernt so, 
wohin das führt.

Man weiß nämlich 
nie genau,
was man will. 
Nur der ist schlau,
der durch 
Selbsterfahrung weiß:
Jeder Wunsch 
hat seinen Preis!
Ist der Wunsch 
erstmal erfüllt,
kommt der nächste - 
ungestillt.

Das X – der kleine Unterschied

Das X - der kleine 
Unterschied
*
In dem Zellkern 
jeder Zelle 
gibt es 
Speicher-DNA.
46 Chromosomen 
liegen 
aufgewickelt da.
Sie befinden sich 
auf Spulen 
aus geformtem Protein.
Dieser Plan erschafft 
den Körper, 
baut nach Regeln 
sie und ihn.

Chromosompaar 23 
formt nach
Bauplan das 
Geschlecht.
Es bestimmt, 
wer Mann, 
wer Frau wird. 
Das ist wirklich
nicht gerecht.

X und Y macht Männer, 
X und X macht eine Frau.
Auf das X passt 
sehr viel Wissen, 
darum macht es 
Menschen schlau.
Ist das eine X 
beim Mann aber 
defekt oder gestört,
kann das zweite X 
nicht heilen. 
Das ist wirklich 
unerhört! 

Energiezufuhr

Energiezufuhr
*
Dies Gedicht, 
mal auf 
die Schnelle,
is ne 
Rindfleisch-
Frikadelle,
die die Umwelt 
schwer belastet.

Lob für den, 
der deshalb fastet
und auf 
Fleischgenuss 
verzichtet,
während der 
Genießer dichtet.

Denn die 
Poesie gelingt
nur, wenn er 
'nen Klops 
verschlingt!

Omelett-Gedicht

Omelett-Gedicht
*
Dies Gedicht 
ist ein Omelett,
rund geformt 
mit reichlich Fett,
zart und saftig-weich 
im Mund,
streng genommen 
ungesund.

Doch dem Dichter, 
der es briet,
weil sein Lektor 
dazu riet,
kam beim 
Braten die Idee:
"Ich bedichte, 
was ich seh'!"

Schnellschussgewehr

Schnellschussgewehr
*
Wer sich nicht wehrt,
handelt verkehrt.
Doch wer sich 
angegriffen fühlt,
gehört erst einmal 
abgekühlt,
denn mancher 
übereilte Schuss
erzeugt unnötigen 
Verdruss.
So ist schon mancher 
Streit entstanden,
weil wir uns 
unverstanden fanden.

Lebensrhythmen

Lebensrhythmen
*
Alles im Leben 
entsteht und vergeht.
Was immer auch wächst, 
wird vom Winde verweht.
Aus Samen, aus Wurzeln 
entsteht Frucht und Blüte
durch die der Natur 
innewohnende Güte.

So reift Jahr um Jahr 
zu der Fülle des Lebens.
Am Ende wird sichtbar: 
Es war nicht vergebens!
Das Muster des Teppichs, 
den wir so gewebt,
erscheint erst am Ende, 
wo man es versteht.

Die Zukunft gestalten

Die Zukunft gestalten
*
Als die Vergangenheit 
Gegenwart war,
erschien sie mir wirklich 
und vollkommen klar.
Von heute betrachtet, 
wirkt sie wie ein Traum,
und ich bin erstaunt, 
ihn von hier anzuschau'n.

Was damals noch Zukunft hieß, 
wurde mein Leben.
Ein Traum nahm Gestalt an 
durch geistiges Streben.
Was Wirklichkeit wurde 
durchs Wirken der Zeit
lag erst in den Träumen 
als Samen bereit. 
*

Lob der Stille

Lob der Stille
*
Auf die Stille 
hören lernen,
weil sie leise 
zu uns spricht.
Durch den Lärm 
und das Getöse
hört man ihre 
Stimme nicht.

Apparate, 
die uns sagen,
dies zu lassen, 
das zu wagen,
die den Puls, 
den Blutdruck messen,
damit wir 
niemals vergessen,
dass wir ihre 
Diener sind,
unselbständig 
schon als Kind.

Freiheit finden 
in der Stille.
Dies zu lehren, 
ist mein Wille.
Doch es hört 
niemand auf mich.
Welch ein Fehler, 
sicherlich.