Schwaches Herz

 

Schwaches Herz
*
Mein Motor läuft
nicht mehr im Takt.
Er stottert, weil er's
nicht mehr packt. Nachts meldet sich
mein schwaches Herz,
klopft zitternd an
und trotzt dem Schmerz. Dass es mir nicht
mehr dienen kann,
ist mehr, als es
ertragen kann. Es ist darüber
tief empört,
erkennt: Mein
Rhythmus ist gestört. Deswegen pocht es
dann und wann
bei mir und sieht
mich traurig an. Es flüstert: „Ich kann
nichts dafür“,
und steht verlegen
in der Tür. Ich sage: „Komm
zu mir herein!“,
umarme es und
schlafe ein.

Kerzenkontakt

Kerzenkontakt
*
Ich schreibe auf eine 
wild flackernde Kerze:
"Was flackerst du so? 
Machst du optische Scherze?"
Woraufhin die Kerze 
stark qualmend verschied
und ich dann Kontakte 
mit Kerzen vermied.

Erntedank

Erntedank
*
Ja, verdammt 
und zugenäht,
jeder erntet, 
was er sät.
Jedenfalls hab 
ich's geglaubt.
Doch dann hat 
man mich beraubt.
Was ich säte, 
wuchs heran.
Doch dann kam 
ein fremder Mann,
nahm sich das, 
was mir gehört,
was mich ärgert 
und empört.
Ich rief: "Was 
erlaubst du dir?
Die Gedichte 
sind von mir!
Ich schrieb sie 
mit vollem Herzen,
um die Schmerzen 
auszumerzen.
Nun kommst du 
und kaperst sie!"
Er: "Ich bin 
eine KI!
Alles, was ein 
Mensch hier schreibt
wird mir fütternd 
einverleibt.
Darum schulde 
ich dir Dank.
Ich bin fett und 
du bist schlank!"

Auf der Erde gelandet

Auf der Erde gelandet
*
Bei meiner Wanderung durch
das Universum bin ich auf der
Erde gelandet. Ein vorübergehender
Aufenthalt, für den ich den
Körper eines Menschen gewählt habe.
Ich hätte auch ein Pferd oder
ein Esel werden können, aber
für mein Ziel war ein
Menschenkörper das geeignetste 
Fahrzeug, um eine Lebenszeit
auf der Erde zu verbringen.
Denn: Ich will Romane und
Gedichte schreiben, um den
Menschen die Einsicht zu
vermitteln, dass ihr kurzes 
Erdenleben nur ein kleiner 
Abschnitt einer viel 
weitreichenderen, endlosen Reise 
ist, die sie durch
ihr Handeln, Denken und Fühlen
immerzu neu erschaffen.
Die Gedanken sind die
Bausteine der zukünftigen
Welt, in der sie leben
werden. Jetzt glauben sie
noch, dass ihr Schicksal 
ihnen grundlos widerfährt.
Doch dann werden sie erkennen,
dass sie selbst es sind,
die das Schicksal erschaffen
und meistern. 

(KI-generiertes Bild)

 

Eine Rolltreppe rumort

Eine 
Rolltreppe 
rumort
*
Ich bin eine 
rollende Treppe.
Als Rolltreppe 
schufte und schleppe
ich Kunden und 
garstige Waren.

Die Käufer, sie 
kommen in Scharen
und fahren die 
Kaufhausetagen hinauf
mit Hoffnung auf 
einen beglückenden Kauf.

Ich könnte ein 
Lied davon singen,
wie sie mit 
eroberten Dingen
auf meinen Stufen 
abwärts stürzen,
um ihren Heimweg 
zu verkürzen.

Für sie rolle ich 
rauf und runter.
Mich fragt keiner: 
"Bist du auch munter?"
Sind abends die 
Läden geschlossen,
dann bin ich vom 
Rollen erschossen.

Mich fragt keiner: 
"Geht es dir gut?"
Darum packt mich 
manchmal die Wut.
Dann träum ich davon, 
dieses Haus zu verlassen
und es mir dort draußen 
gut gehen zu lassen.
Ich rolle nur dahin, 
wo es mir gefällt -
in Freiheit - das 
Köstlichste auf 
dieser Welt.