Gemauertes Gedicht

Gemauertes Gedicht
*
Peter Paul Sauer schwört, 
dass er bedauert,
dass er die Gedichte 
so lieblos gemauert
hat und mit den Strophen 
aus schepperndem Klang
ein Bauwerk erschuf, 
das ihm leider misslang.

"Was ich hier errichte, 
erfüllt mich mit Grauen.
Wie konnte ich wagen, 
solch' Verse zu bauen?
Ich gab meinen Zeilen 
nicht Richtung noch Sinn –
das Metrum, es stolpert 
und führt nirgends hin.
Die Bausünde, die ich 
durchs Dichten erschuf
belastet mein Leben 
und schadet dem Ruf!"

So wuchs dieses Mahnmal 
aus windschiefen Tönen,
mit Klangkatastrophen, 
die Lyrik verhöhnen.
Ihr Zittern und Beben 
erfüllt mich mit Hass.
Das Zeugnis 
des Scheiterns: 
es macht keinen Spaß.

Kreative_Schreibübung_0001

 

Kreative_Schreibübung_0001
Buchstaben-Ketten-Sätze
*
Wähle ein Startwort
z.B. Ostern
*
Bilde einen Satz:
Jedes Wort des Satzes muss 
mit dem jeweiligen 
Buchstaben des 
Startwortes beginnen. z.B.
Olaf sieht täglich ein 
rotes Nasshorn.
*
Weiterschreiben:
Nimm das letzte Wort 
(hier: Nashorn) 
als nächstes Startwort und 
bilde erneut einen Satz.
*
Wiederhole das Ganze 10-mal.
So entsteht eine Kette von 
10 kreativen Sätzen.
*
Varianten für die Übung
- Tägliche Praxis: Schreibe 
jeden Tag eine neue Kette 
aus 5-10 Sätzen.
- Genre-Übung: Pro Kette 
ein Stil (z. B. Märchenhaft, 
Krimi, Humorvoll).
- Dialogform: Baue die Sätze 
in einen kurzen Dialog ein.
- Erzählstruktur: Verbinde 
die Sätze zu einer kleinen 
Geschichte.
- Illustration: Zeichne 
einzelne Szenen oder Figuren 
aus deinen Sätzen.
Beispiel
Startwort: Regen
Rita erklärt gerne einfach 
Neues.

Ich glaub‘ ich krieg‘ die Krise

Ich glaub’, ich 
krieg' die Krise!
Nichts lieb' ich mehr als diese.
Denn wenn ich in der Krise bin,
dann hat mein Leben einen Sinn:
Ich muss mich drum bemühen,
der Krise zu entfliehen. * Ich glaub’, ich krieg' die Krise!
Doch seltsam – ich genieße
das Chaos, das sie mit sich bringt,
weil es mein Denken neu durchdringt.
Und durch die Krise wird mir klar,
was vorher nur ein Rätsel war.
Ich muss mich frisch sortieren
und Neues ausprobieren.
So gibt die Krise meinem Tun
den Anstoß, endlich was zu tun.

Störet meine Krise nicht!

Stört meine 
Krise nicht!
*
Blauer Himmel. 
Gelbe Sonne.
Auf der Bühne: 
eine Tonne!
In der Tonne: 
ein Gedicht!
"Störet meine 
Krise nicht!"
ruft es zornig 
und entrüstet,
weil es sich gern 
damit brüstet,
dass es ständig 
Sorgen hat.
Doch die Freunde 
sind es satt,
nur Problemen 
zuzuhören.
Man hört, wie sie 
sich empören
und sich wirkungsvoll 
entfremden.
So kann jede 
Freundschaft enden.

Schlechte Laune

Ein Gedicht 
hat schlechte Laune
und bläst laut 
in die Posaune.
Es erscheint zwar 
wie ein Engel.
Doch die Töne 
sind Gequengel.
Es ist ja 
zu Recht verstimmt,
weil niemand es 
zu sich nimmt.
Keiner will den 
Klängen lauschen,
die durch die 
Posaune rauschen.
Darum sitzt es 
nun allein
im Posaunenblasverein
und muss wohl 
noch lange üben,
um uns nicht 
mehr zu betrüben.

Gedichte schreiben

Gedichte schreiben
*
Gedichte schreiben 
ist wie Segeln
oder so wie 
mit Silben kegeln.
Die Hindernisse 
zu umschiffen
gilt es, damit man 
nicht an Riffen
zerschellt, wenn man 
auf Klippen trifft.
Denn dann hat es 
sich ausgeschifft.
Schreiben zu können, 
ist ein Segen,
mit dem wir uns 
im Meer bewegen:
im Meer der Bilder, 
Worte, Silben,
um Sprachmusik 
herauszubilden.

Frühlingswind

Frühlingswind
*
Die Knospe sprengt 
ihr Blütenkleid.
April ruft zart: 
"Du bist so weit!"
Ein Flüstern liegt 
in seinem Wind:
"Wie schön, dass wir 
geboren sind!"

Die Venus lacht 
im Blütenduft,
verliebt in klare 
Frühlingsluft.
Die Welt erwacht 
mit einem "Zisch!"
April, so launisch, 
wild und frisch.

Ein Schauer küsst 
das grüne Land,
die Sonne reicht 
ihm ihre Hand.
Ein Regenbogen spannt 
sich weit –
Farbenmagie stellt 
er bereit.

Die Vögel tanzen 
hoch im Blau,
sie bauen Nester 
- schau nur, schau!
Taufrischer Klang 
in jedem Ton.
Ein neuer Anfang 
wartet schon.