Verfrühte Zwiebel

 

Verfrühte Zwiebel
*
Man sollte 
es genießen,
wenn die 
Ideen sprießen,
es lebhaft in der 
Erde juckt,
die Zwiebel 
scheu nach 
draußen guckt.
Jedoch, wenn sie 
verfrüht erblüht,
verfinstert sich 
Geist und Gemüt.

Ein Lob der Faulheit

Ein Lob der Faulheit
*
Ich möchte nicht mehr 
fleißig sein,
jetzt leb' ich 
Dolce Vita.
Gehorsam war ich 
lang genug - 
schon damals 
in der Kita.

"Sich regen, 
bringt Segen"?
Da bin ich 
dagegen.
Ich bleib' 
lieber liegen
statt Arbeit 
zu kriegen,
dreh mich 
nochmal um.

Ich mach' mich 
nicht krumm
für Bonzen und 
Schranzen,
die gern auf 
mir tanzen,
wenn sie mir 
befehlen,
mir Lebenszeit 
stehlen
für 
Eigeninteressen.
Das könnt ihr 
vergessen!

Krümmt man sich 
beizeiten,
wird Freude 
entgleiten.
Ein arbeitsam 
Leben?
Da bin ich 
dagegen!

Faules Osterei

Faules Osterei
*
Die Ostereier 
sind noch warm.
Ich liege 
faul im Bett.
Der Frühling winkt 
mit seinem Charme
so fröhlich 
und adrett.
Die Luft ist mild. 
Es duftet zart
nach Minze 
am Balkon.
An Frohsinn wird 
jetzt nicht gespart.
Das Leben 
wartet schon.
Mach dich nun auf, 
zieh' in die Welt!
Sie ist für dich
bereitgestellt,
um Neues zu 
erschaffen,
anstatt nur 
faul zu gaffen.

Gemauertes Gedicht

Gemauertes Gedicht
*
Peter Paul Sauer schwört, 
dass er bedauert,
dass er die Gedichte 
so lieblos gemauert
hat und mit den Strophen 
aus schepperndem Klang
ein Bauwerk erschuf, 
das ihm leider misslang.

"Was ich hier errichte, 
erfüllt mich mit Grauen.
Wie konnte ich wagen, 
solch' Verse zu bauen?
Ich gab meinen Zeilen 
nicht Richtung noch Sinn –
das Metrum, es stolpert 
und führt nirgends hin.
Die Bausünde, die ich 
durchs Dichten erschuf
belastet mein Leben 
und schadet dem Ruf!"

So wuchs dieses Mahnmal 
aus windschiefen Tönen,
mit Klangkatastrophen, 
die Lyrik verhöhnen.
Ihr Zittern und Beben 
erfüllt mich mit Hass.
Das Zeugnis 
des Scheiterns: 
es macht keinen Spaß.

Kreative_Schreibübung_0001

 

Kreative_Schreibübung_0001
Buchstaben-Ketten-Sätze
*
Wähle ein Startwort
z.B. Ostern
*
Bilde einen Satz:
Jedes Wort des Satzes muss 
mit dem jeweiligen 
Buchstaben des 
Startwortes beginnen. z.B.
Olaf sieht täglich ein 
rotes Nasshorn.
*
Weiterschreiben:
Nimm das letzte Wort 
(hier: Nashorn) 
als nächstes Startwort und 
bilde erneut einen Satz.
*
Wiederhole das Ganze 10-mal.
So entsteht eine Kette von 
10 kreativen Sätzen.
*
Varianten für die Übung
- Tägliche Praxis: Schreibe 
jeden Tag eine neue Kette 
aus 5-10 Sätzen.
- Genre-Übung: Pro Kette 
ein Stil (z. B. Märchenhaft, 
Krimi, Humorvoll).
- Dialogform: Baue die Sätze 
in einen kurzen Dialog ein.
- Erzählstruktur: Verbinde 
die Sätze zu einer kleinen 
Geschichte.
- Illustration: Zeichne 
einzelne Szenen oder Figuren 
aus deinen Sätzen.
Beispiel
Startwort: Regen
Rita erklärt gerne einfach 
Neues.

Ich glaub‘ ich krieg‘ die Krise

Ich glaub’, ich 
krieg' die Krise!
Nichts lieb' ich mehr als diese.
Denn wenn ich in der Krise bin,
dann hat mein Leben einen Sinn:
Ich muss mich drum bemühen,
der Krise zu entfliehen. * Ich glaub’, ich krieg' die Krise!
Doch seltsam – ich genieße
das Chaos, das sie mit sich bringt,
weil es mein Denken neu durchdringt.
Und durch die Krise wird mir klar,
was vorher nur ein Rätsel war.
Ich muss mich frisch sortieren
und Neues ausprobieren.
So gibt die Krise meinem Tun
den Anstoß, endlich was zu tun.