Die Welt ist kalt


Die Welt ist kalt

Kalt ist die Welt, Ich fühl mich fremd.
Fremd bin ich, weil mich keiner kennt.
Kennt niemand mich, bin ich allein
mit Einsamkeit. Muss das so sein?
Ich will unter die Dusche huschen.
Das hilft mir sicher in die Puschen.
Heißwasser in die Ritzen spritzen
macht, dass die Hosen wieder sitzen.
Schon sitz ich wieder obenauf.
Die Dinge nehmen ihren Lauf
und mich entzücken Wolkenlücken,
die sich schlicht vor der Sonne bücken,
damit die warmen Sonnenstrahlen
mich nun mit ihrem Licht beglücken.
So angepornt und losgeflitzt
ist dieser Tag soweit geritzt.

Die stolze Wunde



Die eigenen Wunden erkunden,
ist für mich keine gute Idee.
Mir ist lieber, sie wären verschwunden,
und ich freu mich, wenn ich sie nicht seh.
Doch der andere und der eine,
geschnitzt wohl aus sehr hartem Holz, 
hält die Wunde ganz fest an der Leine
und betrachtet sie lange voll Stolz.
Dann zeigt er sie allen und es ist geritzt,
dass das Leben aus ihm was Besonderes schnitzt.
Ich gönne ihm, damit zu prahlen
und sich in dem Ruhme zu aalen.
Doch freu ich mich, dass sich das Leben beeilte
und, wie ich es wünschte, die Wunden verheilte.

Kirchgang



Zornige Großmutter.
Lag immer im Bett.
Warf Dinge nach uns,
während sie laut betete.
Hob die Hände 
klagend
der Zimmerdecke entgegen.
Verräterin 
schwärzte sie 
sündige Menschen an 
bei Gott.
Der sollte sie strafen.
Kippte Essen voll Wut
auf den Boden der Welt.
Ich war ihr Bote.
Mit der Bibel unter dem Arm
ging ich zur Haustür hinaus.
Für Großmutter in die Kirche,
um dort zu beten.
Aber Mutter öffnete 
für mich 
das Fenster
in der Küche.
Ich kletterte herein
und las Comics 
am Küchentisch,
bis das Glockenläuten
mich wieder hinaustrieb
aus dem Fenster.
Ich klingelte an der Haustür
und ging zu Großmutter hinein,
die Bibel unter dem Arm.

Januar


Januar
So kalt wie der Dezember,
aber ohne die vielen Lichter
der Weihnachtszeit,
macht Januar die Beine breit,
und packt uns, 
ohne uns zu fragen,
mit seinen klirrenden Zähnen am Kragen.
Er schüttelt uns durch 
mit seiner beißenden Kälte.
Die Tage werden schon wieder länger
(2 Zentimeter habe ich gemessen)
und vereinzelt schauen schon
die ersten grünen Blätter
von Krokus und Narzisse aus der Erde.
Doch die Zeit vergeht nur gähnend langsam,
als hätte Väterchen Frost sie gefroren,
sie eingefroren, damit die Zeiger
sich nur in Erstarrung drehen können,
und Frostväterchen so seine Lebenszeit verlängert.
Aber die Sonne scheint jeden Tag
so ungefähr
eine Sekundenminute mehr.
Ihre Strahlen werden die Kälte vertreiben,
und nichts wird von ihr übrig bleiben.
Dann hüpfe ich über den Bach,
lache und tanze und mache
dem Winter eine lange Nase.
Und danach kommt der Osterhase!

Nach einem Lied von Adelbert von Chamisso

Nach einem Lied von Adelbert von Chamisso

Reden können. Schweigen können.
Beides muss der Mensch sich gönnen.
Dann wird einem wohl im Herzen.
Man kann plaudern. Man kann scherzen,
weiß genau, wie einem ist.

Klappt nicht alles, was du treibst?
Wenn du dich am Leeren reibst
und die Bangigkeit im Herzen
dich bedrängt (Hemmt sie dein Scherzen?),
weißt du nicht mehr, wie dir ist.

Fühlen kannst du nur, nicht wissen.
Worte gibt es nicht dafür.
Nachts dich wälzend auf den Kissen,
öffnen Träume dir die Tür
zu dem Raum in deinem Geist,
der dir aufzeigt, was du weißt.

Verkehrte Welt

Verkehrte Welt

Cornona, Trump, verkehrte Welt.
Die Welt ist auf den Kopf gestellt.
Hält sie ein Gott in seinen Händen
und ist gewillt, sie zu beenden?
Ich bitte ihn, es nicht zu tun.
Die Menschheit muss nur etwas ruh'n,
bis sie erkennt und sich besinnt,
auf all das, was jetzt noch nicht stimmt.
Die Klugen bleiben zwar oft stumm.
Doch an sich ist der Mensch nicht dumm.
Gott wird den Klugen nicht verzeihen,
dass sie nicht endlich lauter schreien:
"Das 'ICH ZUERST' zerstört die Welt. 
Es siegt nur, wer zusammenhält!"