Im Lederkoffer ruht mein Herz

Ich habe mein Herz in einen roten Lederkoffer gepackt
und mich in einem U-Bahn-Tunnel versteckt.
Die Welt ist eine grobe Maschine, die mich schmirgeln will,
damit ich in die Schlitze passe.
Doch ich will nicht in den Ritzen sitzen,
weil ich diese Schlitze hasse.
Lieber will ich mich ritzen
und weiter in dem Tunnel sitzen.
Die Gesellschaft verwehrt mir die Anerkennung,
die mir von Rechts wegen gebührt.
Darum bin ich von Selbstmitleid gerührt
und weiß noch nicht, wohin das führt.
Toastbrot essen ist auch keine Lösung,
denn ich habe keinen Toaster.
Ich müsste Äste und Zweige suchen,
um über einem selbst entzündeten Feuer
ein Stockbrot zu wärmen.
Wie ich mich kenne,
würde es sicher verbrennen.
Ach, die Welt ist so furchtbar schlecht!

Ich bin ja nur ein Amateur

Ich bin ja nur ein Amateur
und schreibe auf, was der Souffleur
in meinem Herzen dichtend spricht.
Ich nenne seinen Namen nicht,
weil er Lyrik aus Liebe macht.
Ein Amateur wird gern verlacht.
Man sucht Professionalität.
Das Schräge wird gern grad gemäht.
Kastriert ist dann die zarte Kunst.
Professionalität verhunzt,
was früher wild und wirksam war.
Lebendiges wird kühl und klar.
Die Kanten werden abgeschnitten.
Das wilde Pferd wird zugeritten.
Wenn man vor dem Ergebnis steht,
fehlt es an Authentizität.
In dieser Kunst lebt keine Lust.
Kein Herz schlägt mehr in ihrer Brust.
*



Jägerlatein_Teil1

Die Wildtaubengasse im Habichtswaldtal
zu finden ist schwierig, 
denn sie ist sehr schmal.
Will trotzdem wer gehen,
um sie dort zu sehen,
verirrt sich fast jeder und stürzt dann fatal
in einen dort liegenden Grabsteinkanal. 

Ratschläge

Ratschläge
*
Die traurigen Menschen sind keine neue Frucht der Erde.
Auch Hunde können traurig sein und Katzen weinen.
Du solltest öfter duschen, wenn dir das Leben stinkt.
Iß etwas anderes als Schokolade und Marmeladenbrot.
Zuviel Süßes verdirbt den Magen und ruiniert den guten Geschmack.
Vergiss nicht, vom Salzigen und Bitteren zu kosten.
Die Würze des Lebens ist nur für die Verrückten.
Glück zu haben, schadet dem Charakter.
Wer sich um nichts bemühen muss, legt die Hände in den Schoß.
Und dort verdorren sie.
Sei dankbar für jede Plage.
Du weißt nicht, was du durch sie lernen kannst.
Böse Menschen sollte man nach Sibirien schicken.
Sie sollten dort Topflappen häkeln.
15 Minuten für einen Topflappen.
Dann muss er gehäkelt sein.
Also 4 pro Stunde.
Also 40 am Tag.
Plus Pinkelpause, Mahlzeiten und Nachtruhe.
Das muss reichen.
Putin muss weichen.

Mannsperson und Transperson

"Ist das eine Mannsperson?"
"Nein, das ist ne Transperson!"
"Sieht so aus als wie ein Mann!"
"Was, wofür es ja nichts kann!"
"Kommt da vorn ein Frauenzimmer?"
"Du, ich habe keinen Schimmer!
Schwule, Lesben, Transen, Bi.
Ich begreife das wohl nie!"
"Gendert man jetzt Frau und Mann?"
"Ja, denn darauf kommt's jetzt an!
Will man diese Welt verändern,
ist es wichtig, sie zu gendern.
Der/die Sonne, die/der Mond
klingt zwar etwas ungewohnt.
Doch man kann sich dran gewöhnen,
auch wenn jetzt noch viele stöhnen."

Ein Knoten im Gehirn

Er hat einen Knoten gleich hinter der Stirn.
Der drückt in der Nacht immer auf sein Gehirn.
Der Umfang des Knotens, dick wie Pampelmusen,
steht fest durch die Länge der Hypothenusen,
die er nachts als Dichter im Schlafe erfindet
und die er tagsüber als Dichtung verkündet.
Er dichtet nur Unsinn. Das ist ihm schon klar.
Doch denkt er oft daran, wie klug er mal war
und wie schön er gewesen, als er noch gesund.
Die Kunde geht heut noch von Mündchen zu Mund.
Bedenket, ihr Leser, nichts bleibt, wie es ist.
Er dichtet dafür, dass das niemand vergisst 

Im Boot meiner Gedanken

Im Boot meiner Gedanken
gleite ich auf den Stromschnellen 
dieser Stadt entlang.
Sie sind nicht aus Wasser gemacht,
sondern duften nach Pheromonen.
Hormone sind meine Wegweiser 
durch das Labyrinth meines Gehirns.
Ich verlasse das Boot 
und schreite auf Nervenzellen dahin,
hangle mich von Synapse zu Synapse, 
während Axone und Dendriten 
mit ihren tastenden Fühlern 
nach mir greifen.
Mein Wissen ist ihre Nahrung,
die sie gierig in sich 
hineinsaugen wollen.
Meine Botenstoffe 
sind ihnen Cocktail und Wein.
Ein herrliches Gesöff 
für ihre nicht gerade verwöhnten Gaumen.
Doch ich entziehe mich 
ihren suchenden Rezeptoren
 und baue mir ein Nest im Hypothalamus.
Aus der Hypophyse 
plätschert ein Rinnsal aus Hormonen, 
an denen ich mich berausche.

Der Sündenbock

Der Sündenbock
*
Zwölf Männer bilden einen Kreis.
Der Sündenbock steht mittendrin.
Sie halten ihn. Den Blick wie Eis.
Er ist ganz nackt. Nur das macht Sinn.
Sie legen die geballte Schuld
auf diesen Bock. Das ist hier Kult.
Er hat die Schuld, die alle plagen,
auf seinem Rücken fortzutragen.
Damit wird er dann abgeschoben.
Ein Vorgang, den die Männer loben.
Niemand will seine Schuld gesteh`n,
sondern sie lieber weichen seh`n.

Die Phantasie kennt keine Grenzen

Die Phantasie kennt keine Grenzen.
Deshalb will ich noch einmal glänzen
mit dem, was sie mir unentwegt
beim Schlafen in die Wiege legt:
*
Ich schreibe auf eine noch wachsende Gurke:
"Du wirst mal ein außergewöhnlicher Schurke!"
Sie schmeckt im Salat und im Auflauf verwendet.
Doch jetzt ist schon klar, wo ihr Leben einst endet.
*
Ich schreibe auf eine fast rote Tomate:
"Du wirst hier gebraucht für die frischen Salate. 
Drum sauge dich voll mit den Strahlen der Sonne.
So gibst du uns Kraft und erfüllst uns mit Wonne!" 
*
 Ich saß mal bei Hitze in Nizza
mit nur Pepperoni auf Pizza.
Die Pizza war scharf,
doch ich blieb ganz brav,
verspeiste sie schnell und schrieb "Nix da!"
auf die nicht mehr vorhandenen Pizza.
*
Ich hatte Lauchstangen gefangen.
Sie hingen in Bäumen und sangen.
Die Gerichte damit sind gelungen,
denn als sie der Pfanne entsprungen,
wurden sie äußerst gierig verschlungen
von den Alten und auch von den Jungen.