Ein tanzendes Gedicht

Es sehnt sich danach, diese Tänze zu tanzen,
die gerade modern sind. Im Großen und Ganzen
muss es dann erkennen: Der Rhythmus stimmt nicht!
Denn zwei linke Füße hat dieses Gedicht.
Deshalb wagt es nicht, sich im Raum zu bewegen
und sich zu verstecken scheint darum ein Segen.
Doch weil seine Seele das Tanzen gern will,
verhalten die Füße sich niemals ganz still.
Sie zucken und rucken.
Sie wippen und kippen.
Das arme Gedicht
beißt sich stumm auf die Lippen,
doch kann es die drängende Leidenschaft
der Seele nicht stoppen, 
die mit ihrer Kraft
für sich nun ganz eigene Tänze erschafft..
Das Gedicht tanzt erst nur
in verschlossenen Räumen
nach Tangomusik und zu Walzerträumen,
wagt zaghafte Sprünge
mit zitternden Gliedern
und dreht sich dann mutig
nach schnelleren Liedern.
Ohne es zu bemerken,
entwickelt es Stärken,
von denen es früher nie geträumt.
Etwas in ihm hat sich aufgebäumt,
sich entschieden,
die engen Grenzen zu sprengen,
um sich nicht weiter einzuengen.
Schon wenig später wird es gesehen
von Menschen,
die endlich sein Tanzen verstehen
und lieben können auf rauschenden Festen
wo es nun tanzt
für alle zum Besten. 
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